Trauerlyrik » weitersagen
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Stummer Nachbar
Stummer Nachbar, der ins Unsichtbare
unsre Lust am Hiesigen verdrängt,
bis er, wachsend am Gebot der Jahre
sich in unsere Gedanken zwängt.
Er beginnt an unsres Hauses Pfosten,
und er gibt uns, von uns ungewollt,
eine Handvoll Ewigkeit zu kosten,
welche schimmert wie verborg’nes Gold.
Doch dann lockt es. Und ein nimmersatter
Hunger nach dem vorenthalt’nen Glanz
treibt uns zu dem wartenden Gevatter,
der die Hand uns reicht zum letzten Tanz.
Rupert Mayer
das einzig wichtige im leben
sind spuren von liebe.
die wir hinterlassen,
wenn wir ungefragt weggehen
und abschied nehmen müssen!
Wir sind vom gleichen Stoff,
aus dem die Träume sind,
und unser kurzes Leben
ist eingebettet in einen langen Schlaf.
Shakespeare
Wenn Du an mich denkst,
erinnere dich an die Stunde,
in welcher Du mich am liebsten hattest.
Rainer Maria Rilke
Abschied
Wie hab ich das gefühlt was Abschied heißt.
Wie weiß ichs noch: ein dunkles unverwundnes
grausames Etwas, das ein Schönverbundnes
noch einmal zeigt und hinhält und zerreißt.
Wie war ich ohne Wehr, dem zuzuschauen,
das, da es mich, mich rufend, gehen ließ,
zurückblieb, so als wärens alle Frauen
und dennoch klein und weiß und nichts als dies:
Ein Winken, schon nicht mehr auf mich bezogen,
ein leise Weiterwinkendes -, schon kaum
erklärbar mehr: vielleicht ein Pflaumenbaum,
von dem ein Kuckuck hastig abgeflogen.
Rainer Maria Rilke (1875-1826)
Über alle Gräber wächst
Über alle Gräber wächst
zuletzt das Gras,
Alle Wunden heilt die Zeit, ein Trost ist das,
Wohl der schlechteste, den man dir kann erteilen;
Armes Herz, du willst nicht, dass
die Wunden heilen.
Etwas hast du noch, solang es schmerzlich brennt;
Das Verschmerzte nur ist tot und abgetrennt.
Friedrich Rückert (1788-1866)
Frühlingslied eines Greisen
Hier in diesem Paradiese
Find ich bald - ach bald mein Grab;
Alt bin ich, und meine Füße
Stützt schon dieser Dornenstab.
Aus der schönen Welt zu scheiden,
Guter Gott, das fällt mir schwer.
Zwar erlebt' ich manches Leiden,
Aber doch der Freuden mehr.
Atme deine Balsamdüfte
Mir zum letztenmal, Natur.
Spielt, ihr warmen Frühlingsdüfte,
Mit den Silberlocken nur!
Bald werd' ich die grünen Haine
Und die Hecken nimmer sehn!
Gott vergib mir's, wenn ich weine;
Denn die Welt ist gar zu schön.
Nachtigallen im Gesträuche,
Lerchen in der blauen Luft,
Singt nur, singt mir halben Leiche
Totenlieder in die Gruft.
Doch ich schlafe - Deine Güte
Ist's, du guter Frühling, du!
Decke mich mit Äpfelblüte
In dem sanften Schlummer zu.
Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791)
Auf den Tod eines Kindes
Du kamst, Du gingst mit leiser Spur,
Ein flücht'ger Gast im Erdenland;
Woher? Wohin? Wir wissen nur:
Aus Gottes Hand in Gottes Hand.
Ludwig Uhland (1787-1862)




