Trauerlyrik » weitersagen

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Trauersprüche: Weltlich|Trauersprüche: Religiös|Trauersprüche: Zitate|Trauerlyrik


Trost

Treu unserm Bunde,
Zu jeder Stunde
Aus Herzensgrunde
Gedenk' ich dein!
O, laß das Wähnen
Und all das Sehnen
Im Leid der Tränen,
Vielliebchen mein!

Ob wir geschieden,
Gib dich zufrieden
Mit dem hienieden,
Was Gott bescheert.
Was soll das Klagen?
Was soll das Fragen?
Wir müssen's tragen,
So lang' es währt.

Auf Frühlingskosen
Folgt Sturmestosen,
Und keine Rosen
Ohn' Dornen steh'n; –
Wo gibt es Freuden,
Die ohne Leiden,
Und wo ohn' Scheiden
Ein Wiedersehn?!

Johann Meyer

Drüben in weiter Ferne

Drüben in weiter Ferne
Weiß ich ein Haus so klein,
Es schau'n wohl eben die Sterne
Ins Fenster still hinein!

Nun ist mir wohl, als müßt' ich
Hinunter ins ferne Tal;
Schlaf süß, mein Liebchen! – es grüßt dich
Dein Treuer viel tausendmal.

Und sieh, durch die Wimpern, die dunkeln,
Wohl über den roten Mund
Zwei Tränen perlen und funkeln
Hinab in des Kissens Grund!

Sie träumt', – o leis', ihr Sterne!
Sie hat um mich geweint;
Die Herzen, sei's noch so ferne,
Die Herzen sind doch vereint!

Johann Meyer

In der Dämmerstunde

Oft, wenn des Mondes matter Schein
Durch meines Zimmers Fenster leuchtet,
Sitz' schweigend ich und denke dein,
Bis sich der Blick mit Tränen feuchtet.

Dann seh' ich wohl dein liebes Bild,
Als wär's gekommen aus der Ferne,
Als ruhten mir am Herzen mild
Der dunklen Augen lichte Sterne.

Und sieh, dann denk' ich mir im Traum
Noch einmal das Vergangne wieder;
Und daß ich träum' – ich wüßt' es kaum,
Verrieten's nicht die Heimwehlieder.

Johann Meyer

Nacht

Still ist es rings; – ich denke dein
Und schwärme noch zur Laute,
Und Sternenlicht und Mondenschein
Sind meine Nachtvertrauten.
Jetzt, wo der Geist zum Geiste spricht,
Schließ' auf das Auge, hell und licht,
In das ich selig schauten!

O, denkst du noch an jene Stund',
Wo wir im Garten standen
Und aus den Blumen, frisch und bunt,
Uns schöne Sträuße wanden!?
Und wie, so oft der Tag vollbracht,
Wir beid', im Schutze dunkler Nacht,
Uns in der Laube fanden!?

Hörst nun ein leises Säuseln du
Sich rings um dich ergießen,
Und nicken dir die Blumen zu,
Als wollten sie dich grüßen, –
Und wenn es durch die Laube bebt,
Das ist mein Geist, der dich umschwebt,
Zu weilen bei der Süßen.

O, denkst du noch an jene Stund',
Wo deine Laut' erklungen,
Und wo mir froh dein Blumenmund
Manch' schönes Lied gesungen!?
Und wo ich hielt voll sel'ger Lust
Dein liebes Haupt an meiner Brust
Mit festem Arm umschlungen!?

Wenn nun du einsam und allein
Sitz'st in der Dämm'rung wieder,
Und wenn beim blassen Mondenschein
Es sanft wie ferne Lieder
Durch deiner Laute Saiten rauscht,
Es ist mein Geist, – er hat gelauscht
Und kam zu dir hernieder.

Nacht ist es längst! – was träum' ich hier
So spät und doch so gerne!?
Sieh', tausend Grüße schick' ich dir
Mit jedem, jedem Sterne!
Und küßt schon längst der Schlummer dich, –
Schlaf' süß! – und träum' von mir, wie ich
Von dir träum' in der Ferne!

Johann Meyer

Wunsch

Wohl sagt man, wenn ein Stern vom Himmel fällt,
Dann soll man wünschen, – und es wird geschehen;
Zwar bin ich arm, doch Güter dieser Welt,
Die werd' ich nie vom Herrn erflehen. Nun saß ich neulich einsam und allein
Und dachte dein – und sah hinauf zur Ferne
Durch dunkle Nacht zum lichten Silberschein
Der Millionen kleiner Sterne;

Da fiel ein Stern, und deutlich sah und klar
Mein Auge ihn in seinem Glanz vergehen,
Und alles was ich wünschte, – ach, es war,
Nur einmal, einmal dich zu sehen!

Johann Meyer

Geteilt

O, darum will so manch ein Herz
Im Leid zu brechen scheinen,
Weil es allein mit seinem Schmerz'
Muß in der Stille weinen!

Könnt' eine Blume je gedeih'n,
Wenn sie vergessen bliebe?
Wenn Regen nicht und Sonnenschein
Das zarte Leben triebe?

So muß das Herz, das gramumhüllt,
Sich andern anvertrauen,
Daß Mitgefühl und Lieb' es mild
Mit ihrem Trost betauen!

Geteilte Freud' ist doppelt' Freud'
Und mal so süß dem Herzen,
Und ebenso geteiltes Leid
Viel leichter zu verschmerzen.

Und könnt' ich fern dir nicht den Schmerz
Durch meine Lieder klagen,.
Es würde nie das kleine Herz
So große Sehnsucht tragen!

Johann Meyer

Herz voll Winter

Nun bin ich fern, – der Frühlingstraum ist hin,
So süß, und doch so voller Schmerzen!
Und Winter ist's, – und nun ich einsam bin,
Fühl' ich des Winters Bild im Herzen.

Gestorben ist, was lebte frisch und rot,
Kein Strahl kann mehr die Knospen locken;
Die Blumen, – ach, die Blumen all sind tot
Und ruh'n im Leichentuch der Flocken!

So leer wie drauß', so eisig ist mein Herz,
Seitdem die Ferne trennt uns beide,
Und ach, es starben längst im Heimwehschmerz
Die Blümlein alle meiner Freude.

Und hätt' ich mit dem ersten Abschied auch
Den letzten schon von dir genommen,
Es würde niemals mehr ein Frühlingshauch
In dieses Herz voll Winter kommen!

Johann Meyer

Zur Nachtzeit

Es kam im Sternenschleier
Zur müden Erde die Nacht;
Ich hab', mein süßes Liebchen,
In Wehmut dein gedacht.

Ins Freie hab' ich getragen,
Was mir bedrückte das Herz,
Und hab' der Kühle gelüftet
Den heißen, brennenden Schmerz.

Und draußen da war's ein Flüstern
Und Rauschen so heimlich und sacht',
Als verplauderten Blumen und Sterne
Treuliebend die schöne Nacht.

Und alles hab' ich vergessen,
Was betrübt' mich, und fühlte es kaum;
Und träumte mit ihnen zusammen
Den seligsten Liebestraum!

Johann Meyer

Einsamer Gang

Ich war auf einsamem Gange
In wonniger Frühlingsnacht,
Da hab' ich träumend lange,
Wohl lange an dich gedacht.

Vom stillen Schmerz durchdrungen,
Der tief mir im Busen erglüht,
Hab' traurig ich gesungen
Der Nacht und den Sternen mein Lied.

Ich dachte – und konnt' es nicht fassen,
Daß ich's so töricht gemeint, –
Ich dachte, du hätt'st mich verlassen,
Und lange hab' ich geweint.

Und die Blumen im Grase, die lauschten
Und weinten mit mir um mein Weh,
Und die alten Bäume, die rauschten
Mitleidig dazu von der Höh'.

So hab' ich beim Funkeln der Sterne
Schon oft es träumend gemeint,
Schon oft, allein und dir ferne,
Gedacht, – gedichtet, – geweint!

Johann Meyer

Trauer

Du fragst, warum ich traurig bin?
Das will ich gern dir sagen.
Mir ist, als könnt' ich nicht das Glück
Mit seiner Fülle tragen.

Als ich dir jüngst ein Liedchen sang
Von meiner Liebe Sehnen,
Da sah ich, wie die Augen dein
Umflort von hellen Tränen.

Da schienst ein Engel du zu sein,
Zum Troste mir beschieden,
Im Herzen mild und engelsrein,
Den süßen Gottesfrieden.

Da sprach's in mir, – und dieses ist's,
Was mich so sehr betrübet, –
Du bist's nicht wert, du böser Mensch,
Daß dich ein Engel liebet!

Ich sang mein Lied dir traurig vor,
Und nun es leis' verklungen,
Nun ist mir fast, als hätte ich
Meine Lieb' zu Grabe gesungen.

Johann Meyer

Und wenn aus weiter Ferne

Und wenn aus weiter Ferne
Wie auf ein großes Grab
Sanft flimmern die gold'nen Sterne
Zur dunklen Erde herab, –

Und wenn es so still ist, so stille
Rings durch den weiten Raum,
Und seiner Gaben Fülle
Leise spendet der Traum:

Dann ruhen wohl auf Erden
Verzweiflung, Weh und Schmerz, –
Bald wird es Abend werden, –
Sei still, du wildes Herz.

Johann Meyer

Schwermut

Am dunklen Himmel ziehen
Viel Wolken, schwarz und schwer,
Und in der Ferne glühen
Die Blitze überm Meer'.

Ihr Haupt die Blüten legen;
Die Welt so todesmüd', –
Und leise tönt der Regen
Ein säuselnd Schlummerlied.

Das klingt wie Grabesläuten, –
O Bild, so schaurig still,
Dich kann allein nur deuten
Ein Herz, das brechen will!

Johann Meyer

Vernehmt des Liedes gütige Trauer...

Vernehmt des Liedes güt'ge Trauer,
Das weint, um euch ins Herz zu dringen,
Wie sacht verschwiegen tönt sein Singen,
Auf Moos ein zarter Wasserschauer.

Der Sang war teuer eurem Herzen,
Der jetzt verschleiert klingt und trübe,
Der Witwe gleich, die ihre Liebe
Beweint, erhaben in den Schmerzen.

Bald birgt sie in der Schleier Dunkel,
Die in dem Hauch des Herbstwinds wehen,
Bald lässt den Staunenden sie sehen
Der Wahrheit sternengleich Gefunkel.

Das liebe Wort, das wir vernommen,
Sagt uns, dass Güte unser Leben,
Dass Hass und bitt'rer Neid entschweben
Und enden, wann der Tod gekommen.

Sie singt vom Ruhm, der uns beschieden,
Wenn wir wie Kinder wunschlos wohnen,
Von goldner Hochzeit, von den Kronen
Des Glücks und kampflos sel'gem Frieden.

Nehmt auf den Brautgesang, den schlichten,
Der stillen Stimme flehend Singen,
Nichts Süss'res mag ein Herz vollbringen,
Als trübe Herzen aufzurichten.

Die Seele, ob ihr Gram erblühte,
Ob dunkle Leiden sie umnachten,
Wie klar und freundlich ist ihr Trachten! ...
O hört des weisen Liedes Güte!

Paul Verlaine

Abendfeier

Alles ruht geheimer Weise,
Und der Abend senkt die Flügel
Von der Ferne blauem Hügel
Engelleise
Hinab ins Tal.

Wolken glüh'n in dunkler Röte,
Nebeldampf umwallt die Felder;
Fern durchhallet dunkle Wälder
Das Geflöte
Der Nachtigall.

Schöner Abend, laß mich schlürfen
Deiner Andacht Seelenweide!
Laß, o laß mich ganz die Freude
Hauchen dürfen,
Die dich umschwebt!

Ja, du winkst zum Himmelstraume,
Wenn Violen duftend schimmern,
Weiß' und rote Blüten flimmern
Auf dem Baume,
Der rauschend bebt.

Nahest du auf Zephyrwellen,
O, wer könnte heim noch weilen!?
Auf die Fluren muß ich eilen,
Mich gesellen
Zur dunklen Nacht.

Hell wird dann der Blick, der trübe,
Glaube dann des Herzens Wähnen;
Nieder knie' ich, opf're Tränen
Gottes Liebe
Und seiner Pracht.

Seiner Pracht – im Blumenschimmer,
In der Erde grünem Schleier,
In des Frühlings Abendfeier,
Wie im Flimmer
Der Sternenbahn,

Seiner Lieb', der ewig reinen, –
Daß zur Prüfungszeit gegeben
Mir dies schöne Erdenleben,
Daß ich – weinen
Und – beten kann.

Johann Meyer

Nachtlied

Süße Stille
Bringt die müde Welt zur Ruh';
Schläft sie sanft nach Kindes Weise,
Kommt die Nacht und deckt sie leise
Mit der Hülle
Ihres Sternenmantels zu.

Näh' und Ferne
Träumen, bis der Morgen lacht.
Schlumm're nur; – dir darf nicht bangen,
Liebe hält die Welt umfangen,
Und die Sterne,
Gottes Augen, halten Wacht.

Und sie flimmern
Still, so weit der Himmel blaut. –
Nachtigall im dunklen Haine
Singt ihr Lied der Welt alleine,
Blumen schimmern
Bleicher, von der Nacht betaut.

Tränen perlen
Funkelnd durch bie Gräser hin.
Flüsternd rauscht des Bächleins Welle
Kräuselnd sich in Mondeshelle,
Und die Erlen
Tauchen leis' ihr Grün darin.

Blätter rauschen,
Wenn des Windes Hauch sie weckt.
Süße Düfte rings entsteigen
Blumen, die im Traum sich neigen,
Und es lauschen
Vöglein überall versteckt.

Engel schweben
Singend durch den stillen Raum.
Wo ein Aug' noch weinen sollte,
Wo ein Herz noch grollen wollte,
O, da geben
Ruh' und Frieden sie im Traum.

Müh' und Sorgen
Nährt das Herz in seinem Wahn.
Sollt' der Tag mir nicht mehr glühen,
Herr, so laß mich selig ziehen
Durch den Morgen
Mit den Engeln himmelan.Im Kornfeld.

Sonnenglut auf gold'nem Meere.
Bunte Blumen hin und wieder,
Halm an Halm und Ähr' an Ähre,
Hoch darüber Lerchenlieder.

Segen, Segen und kein Ende!
Wandelnd du in seiner Mitte,
Falte zum Gebet' die Hände,
Und gedenk' der vierten Bitte.

Johann Meyer

Kein Jubel, keine lauten Lieder

Kein Jubel, keine lauten Lieder,
Als ob es Sabbatsstille wär';
Zum Schlummer legt das All sich nieder.
Und Gottesfriede ringsumher.

Das Grün erblich, und stiller Weise
Mußt' sich die Blum' dem Tode weih'n
Und mußt' im Sterben leise, leise
Den Samen selbst aufs Grab sich streu'n.

Das ist kein Trauern, sind nicht Schmerzen,
Wenn still der Tod das All durchzieht;
Die Hoffnung raubt man keinem Herzen,
Daß, was da blüte, wieder blüt!

O Trost, wenn Menschen scheiden müssen,
Tritt wohl der Friedensengel ein! –
Süß soll er uns die Stirne küssen,
Und hoffnungsfroh das Scheiden sein!
Melancholie

Die Vöglein flüstern und lauschen;
Kein Menschenauge mehr wacht.
Es stürmt, – und die Baume rauschen,
Und schaurig ist die Nacht.

Vom Regenwetter gefeuchtet,
Sind Blätter und Blüten naß,
Drauf schimmernd hernieder leuchtet
Der Vollmond, still und blaß.

Und Wolken jagen und treiben,
Hoch auf sich türmend mit Macht;
Ich möchte draußen bleiben,
Wohl bleiben die ganze Nacht.

Ich möchte sinnen und denken
In leisen Träumen an sie
Und all mein Leid versenken
In die süße Melancholie!

Johann Meyer

Im Herbste

O sanfter Friede, leises Sterben!
Wenn bleich und siech das All erscheint,
Wenn Grün und Blüte sich entfärben,
Und wenn der Himmel leise weint.

Der Himmel weint um seine Kinder
Und um des Frühlings kurze Lust,
Er weinet leis' den Tau der Träne
Der bleichen Blume auf die Brust.

Die Nachtigall hat ausgeschlagen;
Es war ihr letztes Trauerlied
Um die geliebte, kleine Blume,
Von der so wehmutsschwer sie schied.

Ringsum des Todes stilles Werben,
Der nun die Erde küssen will,
O, könnt' ich wie die Blume sterben,
So süß beweint, so sanft und still!

Johann Meyer

Herbststurm

Es braust der Sturm, – der Wolken dunkles Heer
Läßt rauschend seine Flut zur Erde fallen;
Die Blumen, – ach, die Blumen sind nicht mehr!
Bleich ist das Grün, und keine Lieder schallen.

O, Herbstgefühl, das schaurig mich durchbebt!
Bald schweigt das Herz, das doch so laut geschlagen;
Was heute fröhlich noch gelacht, gelebt,
Wird morgen oft schon still hinausgetragen.

Wie Grün und Blüten welkt der Mensch dahin;
Ein Kommen ist das Leben und ein Wandern.
Die Stunden eilen, – und die Jahre flieh'n –
Und keiner ist, der wüßte von dem andern.

Und keiner denket dessen mehr, der schied,
Vergessen ist er, – und verstummt die Lieder;
Der Sturmwind nur pfeift noch sein schaurig Lied,
Und auf den Hügeln weint der Regen nieder.

Johann Meyer

Die Sterne

Hier hab' ich Ruh' fürs Herz gefunden,
Dem selten die Erquickung lacht;
Hier bin ich frei und ungebunden!
Seid mir willkommen, heil'ge Stunden
Der stillen, dunklen Mitternacht!
Rings ruht der Erde wildes Wogen,
Kein lebend Wesen regt sich mehr,
Und dort am großen Himmelsbogen,
Vom dunklen Blau der Nacht umzogen,
Steht leuchtend Gottes Sternenheer!

Seid mir gegrüßt, ihr gold'nen Sterne,
Gefährten ihr der sanften Nacht!
Ihr Wunder all der weiten Ferne,
Des Sängers Auge blickt so gerne
Hinauf zu eurer Zauberpracht!
Ihr bringt nach Tages Müh' und Sorgen
Dem Schwergeplagten süße Ruh',
Ihr seh't, was still die Nacht verborgen,
Und strahlet bis zum hellen Morgen
Der armen Erde Liebe zu!

Ja, seid gegrüßt, ihr Millionen,
Als Zeugen einer schönern Welt!
Wo ihr den ew'gen Gott seht thronen,
Und wo die Geister aller wohnen,
Die hier das Grab umfangen hält!
Es soll kein Menschenherz verzagen,
Wie viel es Liebes auch verlor!
Soll glaubensfroh sein Schicksal tragen.
Die Millionen Sterne sagen:
Hier, hier ist deiner Heimat Tor!

Johann Meyer

Sternenblick

Ich war noch rege, war noch wach,
Vom süßen Schlummer fern,
Ich schaute in die dunkle Nacht
Und staunte an der Sterne Pracht
Und betete zum Herrn.

Und betete den Kummer fort,
Der in die Nacht mich stieß,
Da war's, als ob zu jedem Wort'
Ein jedes gold'ne Sternlein dort
Den Segen niederließ.

Da war's so wonnig mir, so süß.
So traulich ganz allein,
Da war's, als ob ein Paradies
Sich ringsumher herniederließ
Voll lieber Engelein.

Und als ich wandte mich zurück,
Verschwunden war der Schmerz;
Des ganzen Himmels süßes Glück
War durch der Sterne Silberblick
Mir tief gehaucht ins Herz! –

Johann Meyer

Die Nacht hat ihre Sterne

Wenn dir das Herz im Kummer bricht,
O, blick' hinauf zur Ferne
Und sei nur still und weine nicht!
Die Nacht hat ihre Sterne.

Und jeder glüht voll lichter Pracht
Dir in das Herz, das trübe,
Durch deines Lebens dunkle Nacht
Als Vateraug' der Liebe.

Und nach der Nacht das Morgenrot,
Und nach dem Sturm die Stille!
Ein Friedensengel ist der Tod
Und Segen Gottes Wille.

Und muß es denn geschieden sein,
Dein Glück wohnt ferne, ferne;
O, schlafe nur in Frieden ein!
Die Nacht hat ihre Sterne.

Johann Meyer

Nachts

Hoch am Himmel, hell und hehr,
Doch in unermess'ner Ferne,
Leuchten uns im Äthermeer'
Gottes Sterne.

Manch ein Sehnen richtet leis',
Ruht des Lebens wirr Gewimmel,
Aus der Erde dunklem Kreis
Sich zum Himmel. –
Warum blicken wir so fern,
Hoffend, daß es besser werde?
Ist und bleibt nicht auch ein Stern
Uns're Erde?

Auch ein Stern in dunkler Nacht?
Tue recht und scheue keinen! –
Freue dich an seiner Pracht,
Laß das Weinen!

Keiner weiß, was dort für Leid;
Trag' getrost der Erde Schmerzen,
Und den Stern der Seligkeit
Such' im Herzen!

Johann Meyer

Was klagst du?

Was klagst du, Freund, wenn das Geschick
Die Hoffnung dir zertrümmert,
Und wenn dem nachtumflorten Blick'
Kein Rettungsstern mehr schimmert!?

Was stehst du da an dunkler Gruft
Und senkst die Augen, nieder!?
Kein Bangen und kein Flehen ruft
Sie aus dem Grabe wieder.

O, sei getrost und zage nicht,
Und lasse nur das Weinen!
Die ganze, schöne Schöpfung spricht:
Der Vater hilft den Seinen.

Das Vöglein im Gebüsche singt
Am Abend wie am Morgen:
Derselbe, der uns Speise bringt,
Wird auch für dich wohl sorgen.

Er gibt den Blumen ihre Pracht,
So viel' da draußen stehen,
Und sollte in des Kummers Nacht
Nicht auf uns Menschen sehen!?

Und irrtest du auch fort und fort
Umher auf dunklen Wegen,
Und hättest auch nicht einen Ort,
Das müde Haupt zu legen:

Blick' nur getrost in Nacht hinaus
Und sieh die Sterne brennen!
Da droben ist ein Vaterhaus,
Wo alle bleiben können!

Johann Meyer

O, klage nicht, o zage nicht

O, klage nicht, o, zage nicht!
Mag noch so schwer dein Leid auch scheinen;
Hast du getreu der Menschenpflicht
Genug getan, – was dann zu weinen?

Geh' hin und sieh der andern Schmerz,
Und willst du nach dem Kummer fragen,
Du triffst wohl manch ein Menschenherz,
Das mehr noch hat als du zu tragen.

Die Welt ist groß, – nur frisch hinein!
Dem Manne ziemt ein männlich Ringen;
Es kann das Leid nicht ewig sein,
Und jeder Schmerz läßt sich bezwingen.

Und wär' dem Herzen noch so bang
In seinem Weh auf dieser Erden,
Und wär' der Winter noch so lang,
Es muß doch einmal Frühling werden!

O, klage nicht, o, zage nicht!
Er wird mit seinen vielen Gaben
Für dich wohl auch ein froh Gesicht
Und eine Blume wieder haben.

Und wenn er lächelnd dann erscheint,
Wird all dem Gram von dannen ziehen,
Und wo die Tränen du geweint,
Da werden seine Rosen blühen.

Johann Meyer

Zum letzten Strauß

Die schönste Zeit, wir haben sie genossen,
Wo Lieb' und Freude innig sich verbinden
Und jedem Herzen laut den Sieg verkünden,
Sei's noch so fest, so felsenfest verschlossen.

O, daß so früh, zum Leben kaum entsprossen,
Der süße Frühling wieder mußte schwinden!
Die schönsten Blumen sind nicht mehr zu finden,
Im Traum' ist uns die Rosenzeit verflossen.

So mußte still sein junges, frisches Leben
Ins Grab der Frühling mit den Blumen senken
Und, uns entrückt, zum Himmel wieder schweben.

So kann ich leider keine Rosen schenken,
Und hätt' sie dir so gerne doch gegeben,
Dich bittend um ein freundlich Meingedenken.

Johann Meyer

Sieh hin, es geht zur Neige!

Sieh hin, es geht zur Neige,
Längst schwand des Sommers Grün,
Entblättert stehn die Zweige,
Der Blumen keine blüh'n,
Verstummt ist Lust und Scherzen,
Als müßt' es all vergeh'n,
So kann's mit deinem Herzen
Wohl auch einmal gescheh'n.

So kann der Winter kommen,
Wo's Frühling im Gemüt,
So wird dir oft genommen,
Was kaum zur Lust erblüht;
Da hilft kein warm Umfassen,
Kein Weinen bang und still,
Vielliebes mußt du lassen,
Wenn's Gottes Liebe will.

O du, so früh geschieden,
So innig du geliebt,
Wie tut so weh hienieden
Das Leid, das Scheiden gibt!
In tiefer Grabesstille,
Im dunklen Blumensarg
Schlaf' wohl, du süße Hülle,
Die uns're Freuden barg!

Schlaf' wohl nach all dem Leide,
O du, mein Schwesterherz!
Gott segnet ja die Freude,
Gott segnet auch den Schmerz!
In Leid bist du gegangen,
Dein Braut- ein Totenkranz;
In Freud' bist du empfangen
Vor Gott im Sternenglanz.

Dich darum neiden wollen?
O nein, wir wollen's nicht!
Nicht grämen und nicht grollen
Um diese Nacht zum Licht'.
Was dunkel hier auf Erden
Und undurchschaut uns blieb,
Einst wird es klar uns werden,
Gott tat's ja doch zur Lieb'!

Und alles, was wir haben
Von ihm an Freud' und Leid,
Es sind ja seine Gaben.
Und sein ist auch die Zeit;
Und ist's von ihm gekommen,
So segnen wir den Herrn,
Auch wenn er das genommen,
Was wir gehabt so gern!

O du, mein Herz, sei stille,
So war's ja gar nicht dein,
So war's ja Gottes Wille
Und muß das Beste sein!
So ist sein Tun nur Segen,
Und Segen auch der Schmerz,
Und was wir schlafen legen,
Wir legen's ihm ans Herz!

Und mögen Tränen tauen
Auf Seufzer bang und schwer:
Am Dom, dem ewig blauen,
Da prangt der Sterne Heer;
Blick' auf! und wo sie prangen,
Im Licht' mit Gott vereint,
Sollst wieder du umfangen,
Was hier so heiß beweint.

So mag es Winter werden
Mit dir und deinem Glück',
Es kehrt ja doch auf Erden
Der Lenz einmal zurück;
Und wo die Tränen fließen
Auf einen Hügel klein,
Da werden Rosen sprießen
Im Frühlingssonnenschein'!

Johann Meyer

In schweren Stunden

Wenn es Gottes Wille lenkt,
Daß der Tod die Fackel senkt
Und sich eine Blume bricht,
Kaum erblüht zum gold'nen Licht,
Ach, wie voll die Träne rinnt
Um das vielgeliebte Kind!

Aber der ein Leid dir schickt,
Welches schier das Herz erdrückt,
Weißt du doch, daß der es gibt,
Welcher züchtigt, die er liebt!
Drum vergiß nicht, armes Herz,
Daß doch Segen auch der Schmerz!

Und auch das sei dir Gewinn,
Daß die Blume, die dahin,
Dennoch nicht verloren geht,
Wie es ja geschrieben steht
Von Jairus Töchterlein,
Darum laßt das Weinen sein!

Sind die Wolken noch so dicht,
Wieder kommt der Sonne Licht,
Und auch euch erfreut einmal
Wieder dann ihr gold'ner Strahl,
Der den Hügel auch bescheint,
Drauf ihr nun die Tränen weint!

Und er macht ihn wieder grün,
Läßt darauf die Blumen blüh'n,
Grüße aus des Grabes Nacht,
Euch zum Troste dargebracht,
Und ihr wißt von wem sie sind, –
Schlaf denn wohl, geliebtes Kind!

Ach, wie kurz ist alle Freud'!
Und wie lang ist solch ein Leid!
Aber, wenn nach Gottes Rat,
Was er uns gegeben hat,
Er es wieder nimmt, so sei's! –
Und auch so ihm Lob und Preis!

Johann Meyer

Beim Tode eines Kindes

Du liebes Mädchen, du,
Wie wird uns doch so eigen,
Nun dir die Augen zu
Und deine Lippen schweigen!
Und welch ein Herzeleid
Ist kommen auf die Deinen,
Nun sie im Trauerkleid'
An deinem Sarge weinen!

Wir wissen's wohl, es sind
Unsäglich solche Schmerzen;
Es reißt das tote Kind
Ein Stück vom Elternherzen. –
Und wo ein Schicksalsschlag
So Liebes nahm von dannen,
Kein Menschentrost vermag
So herbes Weh zu bannen.

Das aber stehet fest,
Auf daß wir nicht verzagen:
Wen liebt der Herr, den läßt
Zumeist er Schweres tragen; –
Und welcher heut' noch spricht:
Die Kindlein lasset kommen
Und wehret ihnen nicht,
Der hat auch dies genommen.

O, ihr in eurer Not,
Stört nicht die Ruh' der Kleinen!
Das Mägdlein ist nicht tot,
Es schläft nur, – laßt das Weinen!
Kann aus dem Dornenstrauch'
Ein Rosenbusch erstehen,
So kann das Leid wohl auch
In Freuden übergehen.

Und nun ade! ade!
Blau Aug' und blonde Locken!
Schon läuten unterm Schnee
Von fern die Frühlingsglocken; –
Nach wen'ger Tage Lauf
Schmückt sich der kleine Hügel,
Ein Falter sonnt sich drauf
Und hebt die gold'nen Flügel!

Johann Meyer

Die Gräber auf dem Friedrichsberger Friedhofe

An der dunklen Kirchhofsmauer
Sahst du wohl den Trauerort? –
Leise zittern Todesschauer
Über Grün und Blüten dort! –
All die schwarzen Kreuze sagen
Und die Kränze und das Band,
Wer in jenen Ostertagen
Starb den Tod fürs Vaterland!

Was das Leben streng geschieden,
Innig hat's der Tod vereint!
Alle ruh'n im süßen Frieden
Eines Grabes, Freund und Feind!
Ausgesöhnt durch Todeswunden
Von des Schicksals weiser Hand,
Haben sie den Tod gefunden,
Jeder für sein Vaterland.

Ostern, als mit Frühlingsbeben
Leben überall erwacht,
Ach, wie manches Blütenleben
Brach des Todes dunkle Macht! –
Doch das Land, darum gerungen
Jene Helden, kühn und groß,
Liebevoll hält es umschlungen
Alle jetzt im kühlen Schoß'!

Knospet Rosen! – Vöglein singe
Sanfte Trauermelodie'n! –
Hoch um diese Kreuze schlinge,
Efeu du, dein Hoffnungsgrün! –
Blühet frischer rings im Kreise,
Alte Linden, voller Duft,
Überhaucht mit Blüten leise
Diese große Heldengruft! –

An der dunklen Kirchhofsmauer
Sahst du wohl den Trauerort? –
Leise zittern Todesschauer
Über Grün und Blüten dort!
Rings umher im weiten Kreise
Schlafen sie in sanfter Ruh', –
Und die Rosen decken leise
Kranz und Kreuz mit Blüten zu!

Johann Meyer

Den Gefallenen

Schlaft sanft in stillem Frieden
In kühler Erde Schoß!
Was euch der Herr beschieden,
War doch ein herrlich Los!
Ihr seid des Ruhmes Erben,
Dem kein Erlöschen droht,
Und für den Bruder sterben,
Das ist der schönste Tod.

Ihr habt so treu gehalten,
So treu die Wacht am Rhein!
Nie soll die Lieb' erkalten,
Die wir euch dankend weih'n.
Ob euch auch fern erkoren
Der Tod im blut'gen Streit',
Ihr bleibt uns unverloren
Im Herzen allezeit!

O, wären nichts als Kränze
Auf Gottes weiter Welt!
Die Rosen all im Lenze,
Die Blumen all im Feld',
Wir wollten sie euch reichen,
Euch, aller Kränze wert,
Ihr Braven sondergleichen,
Die nun der Tod verklärt!

Ihr habt mit eurem Blute
Zu Ehren uns gebracht.
Euch kommt es nicht zu Gute,
Ihr schlaft in Grabesnacht.
Nun wird sie wahr die Sage
Von Deutschlands Herrlichkeit,
O, daß an Ehrentagen
Ihr auch so ferne seid!

Doch ziemt es nicht, zu fragen,
Warum es mußt' gescheh'n.
So wollen wir nicht klagen,
Daß wir euch nicht mehr seh'n.
Der Ruhm, den ihr erworben,
Macht alle Leiden klein;
Fürs Vaterland gestorben,
Das heißt: unsterblich sein!

Johann Meyer

Nachtsegen

Dämmrig wird's auf allen Fluren,
Dunkel wird's im Buchenhain
Alle Waldesvögel schlafen
Unter leisem Singen ein

Alle Tagesstimmen schweigen,
Aus den Wiesen steigt der Duft,
Und der braune Käfer surret
Durch die laue Sommerluft.

Und die bleichen Nachtphalänen
Flattern leis ohn Unterlaß,
Und des Taues Wonnetränen
Sinken still ins hohe Gras.

Doch die tiefgeheimsten Stimmen
Die der laute Tag verschlang,
Flüstern, murmeln, rauschen, singen
Ihren wundersamen Sang.

Und viel zage Menschenherzen -
Hat der Tag sie arm gemacht,
Arm an Glauben, arm an Lieben,
Macht sie reich die stille Nacht.

Hermann Ludwig Allmers

Als ich in tiefen Leiden...

Als ich in tiefen Leiden
Verzweifelnd wollt ermatten,
Da sah ich deinen Schatten
Hin über meine Diele gleiten,
Da wußt ich, was ich liebte,
Und was so schrecklich mich betrübte,
O Wunder aller Zierde,
Du feine ernste Myrte.

Clemens Brentano

In jedes Menschen Gesichte

In jedes Menschen Gesichte
Steht seine Geschichte,
Sein Hassen und Lieben
Deutlich geschrieben;

Sein innerstes Wesen,
Es tritt hier ans Licht -
Doch nicht jeder kann's lesen,
Verstehn jeder nicht.

Friedrich von Bodenstedt

Oft in der stillen Nacht

Oft in der stillen Nacht,
wenn zag der Atem geht
und sichelblank der Mond
am schwarzen Himmel steht,

wenn alles ruhig ist
und kein Begehren schreit,
führt meine Seele mich
in Kindeslande weit.

Dann seh′ ich, wie ich schritt
unfest mit Füßen klein,
und seh′ mein Kindesaug′
und seh′ die Hände mein

und höre meinen Mund,
wie lauter klar er sprach
und senke meinen Kopf
und denk′ mein Leben nach:

Bist du, bist du allweg
gegangen also rein,
wie du gegangen bist
auf Kindes Füßen klein?

Hast du, hast du allweg
gesprochen also klar,
wie einsten deines Munds
lautleise Stimme war?

Sahst du, sahst du allweg
so klar ins Angesicht
der Sonne, wie dereinst
der Kindesaugen Licht?

Ich blicke, Sichel, auf
zu deiner weißen Pracht;
tief, tief bin ich betrübt
oft in der stillen Nacht.

Otto Julius Bierbaum

Ich ... war ... einmal

Oft weiß ich ganz genau: Ich ... war ... einmal;
Ich habe schon einmal all dies gesehn;
Der Baum vor meinem Fenster rauschte mir
Ganz so wie jetzt vor tausend Jahren schon;
All dieser Schmerz, all diese Lust ist nur
Ein Nochmals, Immerwieder, Spiegelung
Durch Raum und Zeit. - Wie sonderbar das ist:
Ein Fließen, Sinken, Untertauchen und
Ein neu Empor im gleichen Strome: Ich
Und immer wieder ich: Ich ... war ... einmal.

Otto Julius Bierbaum

Des Narren Regenlied

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Graugespinstig hält ein Nebel
Alles Sein in Haft,
Weher Mut weint in die Weiten,
Krank ist jede Kraft.

Die Prinzessin sitzt im Turme;
Ihre Harfe klingt,
Und ich hör, wie ihre Seele
Müde Sehnsucht singt.

Regenöde, regenöde
Himmel, Land und See;
Alle Lust ist Last geworden,
Und das Herz thut weh.

Otto Julius Bierbaum

Was bleibt?

Ach, was bleibt? - Ein kleiner Hügel,
Drüben mit dem leichten Flügel
Froh ein Sommerfalter fliegt
Und das Gras im Wind sich wiegt.
Eine Weile Angedenken
Mag man wohl den Schläfer schenken;
Bald weiß niemand, wer da liegt

Manche, die der Ruhm erhoben,
Hört man ein Jahrhundert lang,
Bis auch sie die Zeit verschlang.
Die zum Höchsten einst erkoren -
Ihr Gedächtnis ging verloren,
Wie ein Lied im Wind verklang.

Fern noch ragen mächt′ge Gipfel
Als der Menschheit stolze Wipfel
Leuchtend aus dem Nebelmeer:
Alexander und Homer.
Aber jene Zeit wird kommen,
Da auch sie im Duft verschwommen
Und es nennt sie keiner mehr.

Unterdes in ew′gen Kreisen
Und in altgewohnten Gleisen
Ihre Bahn die Erde geht,
Achtlos, was auf ihr besteht.
Achtlos auf der Menschheit Träume,
Wandelt sie durch Weltenräume,
Bis auch sie auch in Staub verweht.

Rudolf Baumbach

Totentanz

So sterben wir, so sterben wir.
Wir sterben alle Tage,
Weil es so gemütlich sich sterben läßt.
Morgens noch in Schlaf und Traum
Mittags schon dahin.
Abends scho zuunterst im Grabe drin.

Die Schlacht ist unser Freudenhaus.
Von Blut ist unsere Sonne.
Tod ist unser Zeichen und Losungswort.
Weib und Kind verlassen wir -
Was gehen sie uns an?
Wenn man sich auf uns nur
Verlassen kann.

So morden wir, so morden wir.
Wir morden alle Tage
Unsre Kameraden im Totentanz.
Bruder, reck dich auf vor mir,
Bruder, deine Brust
Bruder, der du fallen und sterben mußt.

Wir murren nicht, wir knurren nicht,
Wir schweigen alle Tage,
Bis sich vom Gelenke das Hüftbein dreht.
Hart ist unsere Lagerstatt
Trocken unser Brot.
Blutig und besudelt der liebe Gott.

Wir danken dir, wir danken dir,
Herr Kaiser, für die Gnade,
Daß du uns zum Sterben erkoren hast.
Schlafe nur, schlaf sanft und still,
Bis dich auferweckt,
Unser armer Leib, den der Rasen deckt.

Hugo Ball

Sonnuntergang

Nun steh ich vor gewaltigem Schein
Und staune in′s Abendrot hinein.
Am Walde lehnt mein Rücken an:
Der Wald raunt nur noch dann und wann,
Ob alle die Stämme beisammen sind
Und ängstlich geht der Wächter Wind.

Und vor mir sinkt die Stadt hinunter
Wie ein unglaubhaft Traumeswunder.
Von Dörfern Rauch zieht dicht und schwer
Wie über Kohlenmeiler her.
Mich aber flügelt gewaltiger Schein
In die gleißenden Abendrotwirbel hinein.

Hugo Ball

Mut des Verderbens

Und hätt′ ich zehntausend Köpfe
Und trüge keinen zu Haus,
Die feigen Schurken und Tröpfe,
Sie machen mir′s zu kraus.

Und trüg′ ich zehntausend Kronen,
Ich würfe sie alle fort,
Vor allen Höhen und Thronen
Steht höchst das hohe Wort:

Das heilige Lutherzeichen,
Das schuf und trägt die Welt,
Den Listen und Griffen der Bleichen
Und Feigen zu hoch gestellt.

Ja presset mit eurer Presse,
Setzt, presset, drucket allein -
Ich kenn′ eine feurige Esse,
Die schmiedet und gießt auch fein.

Da sitzt der Meister der Meister,
Da schmiedet er fort und fort,
Und seine Gesellen, die Geister,
Die blasen und schaffen am Wort.

Die schmieden und gießen die Lettern
Und streun sie lustig umher
Und sammeln zu Donnerwettern
Ihr leichtgeflügeltes Heer.

Doch weit über Hören und Sehen
Glänzt Narren die blitzende Schrift;
Drum donnert, ihr Mächte der Höhen,
Und schleudert Blitz, welcher trifft!

Und sammelt ihr auch die Lettern
Zu einem Vernichtungsspruch,
Und muß ich mit in den Wettern,
Ich lebte und liebte genug.

Ernst Moritz Arndt

Grablied

Auf! Laßt uns fröhlich singen
Ein Lied von Tod und Grab!
Gar herrlich soll es klingen
Ins letzte Bett hinab:
Des Friedhofs stiller Hügel
Kein Leben deckt er zu,
Der Geist schwingt frohe Flügel
Und fliegt der Heimat zu.

Er sagt der grünen Erde
Die letzte gute Nacht,
Denn Arbeit, Not, Gefährde
Sie sind mit Gott vollbracht,
Die Freuden und die Mühen
Der armen Sterblichkeit -
Nun sieht er Kränze blühen
Im Lenz der Ewigkeit.

Nun sieht er hell im Lichte,
Was hier so dunkel war,
Des Herzens Traumgesichte,
Des Lebens Rätsel klar;
Nun kann er ganz verstehen,
Was Gott, was Christus ist:
Wie wohl ist ihm geschehen,
Daß er gestorben ist!

Drum wolln wir fröhlich singen
Ein Lied von Tod und Grab,
Ein Himmelslied soll klingen
Ins Erdenbett hinab!
Die Seele hat gewonnen
Das ew′ge Morgenrot
Und schaut aus heitern Wonnen
Hinab auf Grab und Tod.

Ernst Moritz Arndt

Ballade

Und die Sonne machte den weiten Ritt
Um die Welt,
Und die Sternlein sprachen: "Wir reisen mit
Um die Welt";
Und die Sonne, sie schalt sie: "Ihr bleibt zu Haus!
Den ich brenn euch die goldnen Äuglein aus
Bei dem feurigen Ritt um die Welt."

Und die Sternlein gingen zum lieben Mond
In der Nacht,
Und sie sprachen: "Du, der auf Wolken trohnt
In der Nacht,
Laß uns wandeln mit dir, denn dein milder Schein,
Er verbrennet uns nimmer die Äugelein."
Und er nahm sie, Gesellen der Nacht.

Nun willkommen, Sternlein und lieber Mond,
In der Nacht!
Ihr versteht, was still in dem Herzen wohnt
In der Nacht.
Kommt und zündet die himmlischen Lichter an,
Daß ich lustig mit schwärmen und spielen kann
In den freundlichen Spielen der Nacht.

Ernst Moritz Arndt

Seh ich dein Aug in Starrheit süß verloren...

Seh' ich dein Aug' in Starrheit süß verloren,
Dem sonst so sonniges Leben hold entsprüht,
Dünkt mir, Anna: du seist nicht erdgeboren,
Daß fremder Welten Zauber dich umblüht.
Seh' ich dann Thränen deine Wangen feuchten,
Schimmern in zarter Wimper Perlen gleich,
Erschließt mir deiner Züge Wetterleuchten,
Wie thaufrisch deine Seele und wie reich!
Wie all' die Strahlen, die dich leis' umschweben,
Du schöne Himmelsseele hehr und licht.

Wilhelm Arent

Nie wieder...

Die Straßen dämmern so tief verschneit,
Wie ist der Sommer so weit, so weit!
Jüngst träumte die Welt des Frühlings Traum:
Vieltausend Knospen trug jeder Baum.
Nun plötzlich all' die Keime erstickt,
Vom Frosteshauch die Blüthen geknickt!
Unnennbar traurig die Seele ist,
Der sonnigen Tage sie nicht vergißt.
Nun findet sie nirgends der Liebe Trost,
Sie ahnt: nie wieder ein West sie umkost.
Nie wieder labt sie der Blumen Duft,
Ihr bettet der Schnee die kühle Gruft,
Sterben muß sie tief-einsamen Tod –
Nie wieder grüßt sie das Morgenroth.

Wilhelm Arent

Waldeinsamkeit

O zaubergrüne Waldeseinsamkeit,
Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen,
Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen
In tief geheimer Abgeschiedenheit.

Nur Herdenglockenlaut von Zeit zu Zeit,
Und leises Säuseln oben in den Bäumen,
Dann wieder Schweigen wie in Tempelräumen,
O zaubergrüne Waldeseinsamkeit! -

Hier sinkt des Erdendaseins enge Schranke,
Es fühlt das Herz sich göttlicher und reiner,
Als könnt es tiefer schauen und verstehen.

Da löst sich manch unsterblicher Gedanke;
Woher das kommt, das ahnet selten einer, -
Es ist des Weltengeistes nahes Wehen.

Hermann Ludwig Allmers

Spätherbst

Der graue Nebel tropft so still
Herab auf Feld und Wald und Heide,
Als ob der Himmel weinen will
In übergroßem Leide.

Die Blumen wollen nicht mehr blühn,
Die Vöglein schweigen in den Hainen,
Es starb sogar das letzte Grün,
Da mag er auch wohl weinen.

Hermann Ludwig Allmers

Hast du noch nie...

Hast du noch nie recht bitterlich geweint,
das glühende Tränen dir hervorgedrungen,
noch nie mit einem großen Schmerz gerungen,
noch nie unsäglich elend dich gemeint?

Hat hohe Freude nie dein Herz geschwellt,
durchbrausten nie dich stolze Jubelklänge,
das du fast meintest, deine Brust zerspringe,
und dass du seist der Seligste der Welt?

Wenn solche Schauer nimmer dich durchbebt,
hast du die Feuertaufe nicht bekommen,
des Daseins Strahlenhöhen nicht erklommen,
und sage nicht, du habest schon gelebt.

Hermann Ludwig Allmers

Feldeinsamkeit

Ich liege still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn′ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne, stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew′ge Räume.

Hermann Ludwig Allmers



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