Trauerlyrik » weitersagen

Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl Trauergedichte und Verse

Trauersprüche: Weltlich|Trauersprüche: Religiös|Trauersprüche: Zitate|Trauerlyrik


Hoffnung

Auf der Wallfahrt durch dies dunkle Leben
Leuchten uns nur selten milde Sterne;
Eingehüllt in trübe Wolken schweben
Sie dem Blicke unerreichbar ferne.

Wenn der Hoffnung goldnes Licht nicht wäre,
Das des Kummers öde Nacht durchbricht,
So ertrüge dieses Daseyns Schwere
Der gepresste, bange Busen nicht.

Weiche nimmer aus dem matten Herzen,
Das des Trostes Balsam oft entbehrt,
Und umringt von nahmenlosen Schmerzen,
In vergebner Sehnsucht sich verzehrt.

Ach so vieles hat es schon verlohren -
Einsam fühlt′ sich′s - traurig und allein,
Und der Tanz der jugendlichen Horen
Bringt ihm Regen nur statt Sonnenschein.

Doch bleibst Du ihm treu zur Seite stehen,
Du, o Hoffnung! holdes Götterkind,
Dann vernimmt es in der Stürme Wehen
Nur des Lenzes milden Abendwind.

Charlotte von Ahlefeld

Einsamkeit

Was ist wahre Einsamkeit?
sind wir einsam, wenn das Leben
rings von Stille ist umgeben?
Wenn die rege Fantasie
uns in schaffender Magie
neu beseelt mit süßem Streben
Bilder der Vergangenheit? -
Ist das wahre Einsamkeit?

Oder wenn in stillen Gründen,
in des Waldes heil′ger Nacht,
Sonnenglanz in reiner Pracht
durch die leis′ bewegten Wipfel,
durch die glanzumsäumten Gipfel
nur verstohlen blickend, lacht,
und in den verworrnen Zweigen
selbst die kleinen Sänger schweigen?

Oder wenn in dunklen Mauern,
in den Kerkers engen Raum,
der Gefangene sich kaum
darf in seinen Ketten regen,
wenn sein Herz mit raschen Schlägen
nährt der Hoffnung Göttertraum,
und geteilt in Freud′ und Trauern,
Ahndungen ihn tief durchschauern?

Nein, nur das ist Einsamkeit,
wenn sich Wesen um uns drängen,
denen nicht in zarten Klängen
sich vernehmbar macht das Herz,
oft voll Wärme, oft voll Schmerz -
die uns das Gemüt verengen
durch der Langeweile Leid -
das ist wahre Einsamkeit!

Charlotte von Ahlefeld

Dora′s Abendlied

Still tritt der Mond in weiter Himmelsferne
Aus des Gewölkes nächtlich grauem Flor,
In goldner Reinheit schimmernd jetzt hervor,
Umgeben von dem hellen Chor der Sterne;
Ihn, den ich mir zum Freunde auserkohr,
Ihn, dem ich klagte, was ich längst verlohr,
Begrüßt mein Blick in stiller Nacht so gerne.

Er leuchtet freundlich mir statt aller Kerzen,
Strahlt leisen Trost in die beklommne Brust,
Und schenkt in Thränen mir der Wehmuth Lust.
Wer nimmt des Kummers Last von meinem Herzen,
Wer hat um ihren Umfang je gewußt!
Ach tief verschlossen in der wunden Brust
Ist all′ mein Weh sind alle meine Schmerzen.

Du, den ich längst nicht mehr zu nennen wage,
Und dessen Bild mich dennoch stets umschwebt!
Du, der im Innern meines Herzens lebt,
Wo ich nur Dich, und Schmerz und Sehnsucht trage,
O wenn Dein Blick hinauf zum Himmel strebt
Und holde Träume Dir der Mondschein webt,
So denk′ auch Du an unsres Glückes Tage.

Sie sind dahin in weite Ferne bannte,
Von Dir getrennt, mich grausam mein Geschick.
Erloschen ist in Thränen nun der Blick,
In dem sonst Muth und Hoffnung lodernd brannte.
Der ersten Liebe nahmenloses Glück
Rief meines Schicksals Stimme ernst zurück,
Eh′ ich des Lebens vollen Werth erkannte.

Seitdem verhüllt mit ihrem schwarzen Schleier
Die Schwermuth mir die weite offne Welt;
Des Himmels hehres, sternbesäetes Zelt,
Des Mondes Glanz, der oft in stiller Feier
Der Nächte ödes Dunkel mir erhellt,
Und ahnungsvoll die bange Brust mir schwellt,
Eröffnet nur mein Herz der Wehmuth freier.

Ist mir auf ewig jenes Glück verschwunden?
Ist schmerzliches Entbehren nur mein Loos?
Und wird allein des Grabes finstrer Schooß
Mich schützen vor des Leidens bangen Stunden,
So reiße schnell mich von dem Leben los,
Willkommner Tod, denn in der Erde Schooß
Verbluten sanft des Herzens tiefe Wunden.

Charlotte von Ahlefeld

Die Verlassene

Erklinge still, du Lied der treuen Liebe,
Nur Seufzerhauch sey deine Melodie.
Kein lauter Klang darf sich mit dir vermählen,
Denn leise nur spricht die Melancholie.

Erbebt, ihr Saiten innerer Gefühle,
Bei der Erinnerung wundersüßem Schmerz,
Bei dem Gedanken der vergangnen Zeiten,
Und wiegt in Schlummer das erregte Herz.

Wo bist du hin, du Stunde des Entzückens,
Als seines Auges klarer Himmelsstrahl,
Wie Sonnenlicht in eines Kerkers Dunkel,
Sich in die Tiefe meiner Seele stahl?

Ach du entflohst – doch schönere Stunden kamen,
Die Scheu verschwand, ein ruhigeres Glück
Entblühte mir in der geliebten Nähe,
Und rief den innern Frieden mir zurück.

Er mußte scheiden – viele Monden schwanden,
Mein trauernd Herz erhielt sich ihm getreu.
Still flossen meine Tage hin, wie Thränen,
Und meine Liebe blieb mir immer neu.

Charlotte von Ahlefeld

Liebesgedicht zum Tod

Leise schließ ich die Augen zu.
In deinem Herzen ist jetzt Ruh`.
Warum, warum kann ich nur fragen,
dich kostbar in meinem Herzen tragen.

Habe meine Augen leergeweint,
bist von jetzt an mein stiller Freund.
Dein Lächeln wird mir immer bleiben,
selbst der Tod kann es nicht vertreiben.

Angelika Schmid

Welkes Blatt

Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
und in fremden Kleidern dir begegnen
und dich segnen.

 

Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden,
Ewiges ist nicht auf Erden
Als der Wandel,
Als die Flucht.

Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind will dich entführen.

Spiel dein Spiel und wehre dich nicht,
Lass es still geschehen.
Lass vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.

Herman Hesse

Die Klage, sie wecket...

Die Klage, sie wecket
Den Toten nicht auf,
Die Liebe nur decket
Den Vorhang dir auf.

Man liebt und was immer
Das Leben belebt,
Mit fassenden Sinnen
Die Augen erhebt.

Das zarte Umfassen,
Es löst sich so bald,
Die Augen erblassen
Es stirbt die Gestalt.

Die Liebe, sie schicket
Die Klage ihr nach
Die Liebe, sie blicket
Den Toten bald wach.

Die Klage, sie wecket
Die Toten nicht auf,
Die Liebe nur decket
Das Leben dir auf.

Clemens Brentano

Die Seufzer des Abendwinds wehen...

Die Seufzer des Abendwinds wehen
So jammernd und bittend im Turm;
Wohl hör ich um Rettung dich flehen,
Du ringst mit den Wogen, versinkest im Sturm.

Ich seh dich am Ufer; es wallet
Ein traurendes Irrlicht einher.
Mein liebendes Rufen erschallet,
Du hörest, du liebest, du stürzest ins Meer.

Ich lieb und ich stürze verwegen
Dir nach in die Wogen hinab,
Ich komme dir sterbend entgegen,
Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab.

Doch stürzt man den Stürmen des Lebens
Von neuem mich Armen nun zu.
Ich sinke; ich ringe vergebens,
Ach nur in dem Abgrund des Todes ist Ruh.

Da schwinden die ewigen Fernen,
Da endet kein Leben mit dir.
Ich kenn deinen Blick in den Sternen,
Ach sieh nicht so traurig, hab Mitleid mit mir!

Clemens Brentano

Einsam will ich untergehn

Einsam will ich untergehn,
Keiner soll mein Leiden wissen!
Wird der Stern, den ich gesehn,
Von dem Himmel mir gerissen,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Pilger in der Wüste.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Pilger in der Wüste!
Wenn der Stern, den ich gesehn,
Mich zum letzten Male grüßte,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide!
Gibt der Stern, den ich gesehn,
Mir nicht weiter das Geleite,
Will ich einsam untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen.

Einsam will ich untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen!
Will der Stern, den ich gesehn,
Nicht mehr auf mich niederschauen,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Sklave an der Kette.

Einsam will ich untergehn
Wie der Sklave an der Kette!
Scheint der Stern, den ich gesehn,
Nicht mehr auf mein Dornenbette,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Schwanenlied im Tode.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Schwanenlied im Tode!
Ist der Stern, den ich gesehn,
Mir nicht mehr ein Friedensbote,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Schiff in wüsten Meeren.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Schiff in wüsten Meeren!
Wird der Stern, den ich gesehn,
Jemals weg von mir sich kehren,
Will ich einsam untergehn
Wie der Trost in stummen Schmerzen.

Einsam will ich untergehn
Wie der Trost in stummen Schmerzen!
Soll den Stern, den ich gesehn,
Jemals meine Schuld verscherzen,
Will ich einsam untergehn
Wie mein Herz in deinem Herzen.

Clemens Brentano

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod...

Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
Er mäht das Korn, wenn′s Gott gebot;
Schon wetzt er die Sense,
Daß schneidend sie glänze,
Bald wird er dich schneiden,
Du mußt es nur leiden;
Mußt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Was heut noch frisch und blühend steht
Wird morgen schon hinweggemäht,
Ihr edlen Narzissen,
Ihr süßen Melissen,
Ihr sehnenden Winden,
Ihr Leid-Hyazinthen,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Viel hunderttausend ohne Zahl,
Ihr sinket durch der Sense Stahl,
Weh Rosen, weh Lilien,
Weh krause Basilien!
Selbst euch Kaiserkronen
Wird er nicht verschonen;
Ihr müßt zum Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Du himmelfarben Ehrenpreis,
Du Träumer, Mohn, rot, gelb und weiß,
Aurikeln, Ranunkeln,
Und Nelken, die funkeln,
Und Malven und Narden
Braucht nicht lang zu warten;
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Du farbentrunkner Tulpenflor,
Du tausendschöner Floramor,
Ihr Blutes-Verwandten,
Ihr Glut-Amaranthen,
Ihr Veilchen, ihr stillen,
Ihr frommen Kamillen,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Du stolzer, blauer Rittersporn,
Ihr Klapperrosen in dem Korn,
Ihr Röslein Adonis,
Ihr Siegel Salomonis,
Ihr blauen Cyanen,
Braucht ihn nicht zu mahnen.
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Lieb Denkeli, Vergiß mein nicht,
Er weiß schon, was dein Name spricht,
Dich seufzerumschwirrte
Brautkränzende Myrte,
Selbst euch Immortellen
Wird alle er fällen!
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Des Frühlings Schatz und Waffensaal
Ihr Kronen, Zepter ohne Zahl,
Ihr Schwerter und Pfeile,
Ihr Speere und Keile,
Ihr Helme und Fahnen
Unzähliger Ahnen,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Des Maies Brautschmuck auf der Au,
Ihr Kränzlein reich von Perlentau,
Ihr Herzen umschlungen,
Ihr Flammen und Zungen,
Ihr Händlein in Schlingen
Von schimmernden Ringen,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Ihr samtnen Rosen-Miederlein,
Ihr seidnen Lilien-Schleierlein,
Ihr lockenden Glocken,
Ihr Schräubchen und Flocken,
Ihr Träubchen, ihr Becher,
Ihr Häubchen, ihr Fächer,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Herz, tröste dich, schon kömmt die Zeit,
Die von der Marter dich befreit,
Ihr Schlangen, ihr Drachen,
Ihr Zähne, ihr Rachen,
Ihr Nägel, ihr Kerzen,
Sinnbilder der Schmerzen,
Müßt in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

O heimlich Weh halt dich bereit!
Bald nimmt man dir dein Trostgeschmeid,
Das duftende Sehnen
Der Kelche voll Tränen,
Das hoffende Ranken
Der kranken Gedanken
Muß in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Ihr Bienlein ziehet aus dem Feld,
Man bricht euch ab das Honigzelt,
Die Bronnen der Wonnen,
Die Augen, die Sonnen,
Der Erdsterne Wunder,
Sie sinken jetzt unter,
All in den Erntekranz hinein,
Hüte dich schöns Blümelein!

O Stern und Blume, Geist und Kleid,
Lieb, Leid und Zeit und Ewigkeit!
Den Kranz helft mir winden,
Die Garbe helft binden,
Kein Blümlein darf fehlen,
Jed′ Körnlein wird zählen
Der Herr auf seiner Tenne rein,
Hüte dich schöns Blümelein!

Clemens Brentano

Lieb und Leid im leichten Leben...

Lieb und Leid im leichten Leben
Sich erheben, abwärts schweben,
Alles will das Herz umfangen,
Nur Verlangen, nie erlangen,

In dem Spiegel all ihr Bilder,
Blicket milder, blicket wilder,
Kann doch Jugend nichts versäumen
Fort zu träumen, fort zu schäumen.

Frühling soll mit süßen Blicken
Mich entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht, und Mirten,
Reich bewirten, froh umgürten.

Herbst du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du Winter lehr mich sterben,
Mich verderben, Frühling erben,

Wasser fallen um zu springen,
Um zu klingen, um zu singen,
Schweig ich stille, wie und wo?
Trüb und froh, nur so, so!

Clemens Brentano

Nicht alle wissen so wie du zu schauen...

Nicht alle wissen so wie du zu schauen
Du Landschaftsmaler bei dem Doktor Faust,
Der du den Hexen Nebelbrücken baust
Durch winterlichen Kirchhofs frostig Grauen

Die Münche ziehn zur Gruft, es scheint zu tauen
Der kahle Baum greift in die Nacht, es saust
Ein kalter Wind, und unterirdisch haust
In Trümmern tief ein Kreuz, und gibt Vertrauen

Zwei Lichter schimmern irre bei der Wahrheit
(Die Totenkreuze starren auf den Hügeln)
Gefroren ist der Atem, den man hauchet
Zu ernst zum fliehen und zu kalt zum knien
(Und oben liegt des Himmels blaue Klarheit)

Du gleichst der Schwalbe, die mit grauen Flügeln
Den Himmel streift, die Brust ins Wasser tauchet
Warum willst du denn nimmer mit ihr ziehen.

Clemens Brentano

O kühler Wald

O kühler Wald,
Wo rauschest du,
In dem mein Liebchen geht?
O Widerhall,
Wo lauschest du,
Der gern mein Lied versteht?

O Widerhall,
O sängst du ihr
Die süßen Träume vor,
Die Lieder all,
O bring sie ihr,
Die ich so früh verlor!

Im Herzen tief,
Da rauscht der Wald,
In dem mein Liebchen geht,
In Schmerzen schlief
Der Widerhall,
Die Lieder sind verweht.

Im Walde bin
Ich so allein,
O Liebchen, wandre hier,
Verschallet auch
Manch Lied so rein,
Ich singe andre dir!

Clemens Brentano

Nun, gute Nacht! mein Leben...

Nun, gute Nacht! mein Leben,
Du alter, treuer Rhein!
Deine Wellen schweben
Klar im Sternenschein;
Die Welt ist rings entschlafen,
Es singt den Wolkenschafen
Der Mond ein Lied.

Der Schiffer schläft im Nachen
Und träumet von dem Meer;
Du aber du mußt wachen
Und trägst das Schiff einher;
Du führst ein freies Leben,
Durchtanzest bei den Reben
Die ernste Nacht.

Wer Dich gesehn, lernt lachen;
Du bist so freudenreich,
Du labst das Herz der Schwachen
Und machst den Armen reich,
Du spiegelst hohe Schlösser,
Und füllest große Fässer
Mit edlem Wein.

Auch manchen lehrst du weinen,
Dem du sein Lieb entführt,
Gott wolle die vereinen,
Die solche Sehnsucht rührt;
Sie irren in den Hainen
Und von den Echosteinen
Erschallt ihr Weh.

Und manchen lehret beten
Dein tiefer Felsengrund;
Wer dich im Zorn betreten,
Den ziehst du in den Schlund;
Wo deine Strudel brausen,
Wo deine Wirbel sausen,
Da beten sie.

Mich aber lehrst du singen,
Wenn dich mein Aug ersieht,
Ein freudeselig Klingen
Mir durch den Busen zieht;
Treib fromm nur meine Mühle,
Jetzt scheid ich in der Kühle
Und schlummre ein.

Ihr lieben Sterne decket
Mir meinen Vater zu,
Bis mich die Sonne wecket,
Bis dahin mahle du;
Wird′s gut, will ich dich preisen,
Dann sing in höhern Weisen
Ich dir ein Lied.

Nun werf ich dir zum Spiele
Den Kranz in deine Flut,
Trag ihn zu seinem Ziele,
Wo dieser Tag auch ruht;
Gut Nacht! ich muß mich wenden,
Muß nun mein Singen enden,
Gut Nacht! mein Rhein!

Clemens Brentano

Unter des lebenden...

Unter des lebenden
Grünenden Tempels
Flüsternde Hallen
Komme ich irrend.

Wie sich die Eiche
Himmelwärts türmet
Wie in dem Gipfel
Ruhet des Mächtigen
Jupiters Fuß.

Und in dem Herzen
Fühl ich die Nähe
Heiliger Wesen,
Die durch die Zweige
Zu dem Olympos
Wandeln empor.

Führt mich ihr friedlichen
Geister des Haines,
Die mich umschweben
Lachend und rufend,
Führt mich zurück.

Irrende, flüchtige,
Tönende Geister,
Die ihr mit schäkernden
Lispelnden Worten
Irr mich geführt.

Hier wo in mondlichen
Nächten ihr rauschet,
Und um die wohnsame
Herrliche Eiche
Tanzend euch schwingt.

Wo ich im Taue
Freudigen Grases
Von euren flüchtigen
Goldenen Sohlen
Ehre die Spur. -

Hört mich ihr freundlichen,
Die ihr verlorene
Götter gepfleget,
Die ihr die fliehende
Daphne umarmt.

Frohe, geheime,
Lindernde Geister,
Die in des Waldes
Rührigen Schauer
Weben den Trost.

Mächtige, lebende,
Stärkende Geister,
Die in der Stämme
Alter und Jugend
Bilden die Kraft.

Wenn ich je frevlend
Eure geheiligten
Stämme verletzet,
O! so verdorre
Welkend die Hand.

Nimmer auch höhnt ich
Echo die Jungfrau,
Die mit euch wohnet,
Teilt ihr vertraulich
Liebe und Schmerz.

Führet mich heimwärts!
Bin nur ein Wandrer,
Bin kein Unsterblicher,
Der mit ambrosischen
Bissen sich nährt.

Wisset mich hungert,
Führet mich heimwärts,
Daß ich dem Freunde
Von der Dryaden
Hülfreicher Güte
Bringe die Mär.

Clemens Brentano

Willst ruhig du durch′s Leben geh′n

Willst ruhig du durch′s Leben geh′n -
So frage nie, was es dir nahm,
Wie oft der Tod dir nahe kam,
Wie oft dich Täuschung überkommen.
Du warst ein frischer, junger Baum,
Die Zeit ging drüber wie ein Traum,
Hat alle Blätter mitgenommen!

Willst ruhig du durch′s Leben geh′n -
O, frage nie, wieviel dir′s gab!
O, sieh′ nicht auf der Knospen Grab,
Die schon gestorben im Entfalten!
Lass′ sinken deine leere Hand,
Die sich voll Sehnsucht ausgespannt,
Die reichsten Kränze festzuhalten.

Willst ruhig du durch′s Leben geh′n -
O, frage nie, wie wird es sein?
Die Hoffnung ist nur Lügenschein,
Die dich verlocket in die Ferne,
Was du geträumt, ersehnt, begehrt,
Bleibt dir - dies wardst du oft gelehrt -
So unerreichbar wie die Sterne!

Luise Büchner

Als der Sohn unsers Kronprinzen, gleich nach der Geburt, gestorben war

Mit den vielen andern, Groß und Kleinen,
Klag’ ich schmerzlich Deinen Tod;
Will bei Deinem Sarge satt mich weinen
Und die Augen rot.

Nicht: daß Du Dich nicht, nach Herzensgnüge,
An die holde Mutter schmiegst,
Und daß Du, statt freundlich in der Wiege,
Tot im Sarge liegst, –

Hier ist Vorplatz nur, spät oder frühe
Gehn wir alle weiter ein,
Und es lohnt sich wahrlich nicht der Mühe
Lange hier zu sein,

Nicht: daß Du des Vaters Glanz hienieden
Und sein Königreich nicht sahst,
Und daß Du die Krone, Dir beschieden,
Nicht getragen hast; –

Ach, die Kronen sind nicht ohne Bürden,
Sind nicht ohn Gefahren, Kind!
Und es gibt für Menschenkinder Würden,
Die noch größer sind;

Sondern: daß wir hier ein Land bewohnen,
Wo der Rost das Eisen frißt,
Wo durchhin, um Hütten wie um Thronen,
Alles brechlich ist;

Wo wir hin aufs Ungewisse wandeln,
Und in Nacht und Nebel gehn,
Nur nach Wahn und Schein und Täuschung handeln,
Und das Licht nicht sehn;

Wo im Dunkeln wir uns freun und weinen,
Und rund um uns, rund umher,
Alles, alles, mag es noch so scheinen,
Eitel ist und leer.

O du Land des Wesens und der Wahrheit,
Unvergänglich für und für!
Mich verlangt nach dir und deiner Klarheit;
Mich verlangt nach dir.

Matthias Claudius

Auf einen Selbstmörder

Er glaubte sich und seine Not
Zu lösen durch den Tod.
Wie hat er sich betrogen!

Hier stand er hinterm Busch versteckt;
Dort steht er bloß und unbedeckt,
Und alles, was ihn hier geschreckt,
Ist mit ihm hingezogen. -
Wie hat er sich betrogen!

Matthias Claudius

Auf O--o R--s Grab

Aus einer Welt voll Angst und Not,
Voll Ungerechtigkeit, und Blut und Tod
Flüchtete die fromme reine Seele
Sich ins beßre Land zu Gott;
Und der Leib in diese dunkle Höhle,
Auszuruhen bis zum Wiedersehn.
O der Christ ist immer groß und schön,
Doch im Tod’ in seiner größten Schöne.
Wandrer, bleib’ am Grabe stehn,
Lerne hier, was eitel ist, verschmähn;
Weine eine stille Träne!
Und denn kannst du weitergehn.

Matthias Claudius

Sterben und Auferstehen

Du Menschenkind, sieh um dich her...
Und weißt du eine Lehre,
Die größer und die tröstlicher
Für uns hienieden wäre? –

Dort, wo die Siegespalmen wehn,
Ist Sein nur, ist kein Werden,
Kein Sterben und kein Auferstehn,
Wie hier bei uns auf Erden.

Dort freun sie ewig ewig sich,
Ist ewig Licht und Friede,
Das Leben quillt dort mildiglich
Aus sich, und wird nicht müde.

Doch dieser Unterwelt ist nicht
Solch glorreich Los gegeben;
Hier ist ohn Finsternis kein Licht,
Und ohne Tod kein Leben.

Der Löwe liegt und fäult und schwellt –
Dann geht vom Fresser Speise;
Der Same in die Erde fällt
Und stirbt, – und keimt dann leise.

Und die Natur ein Spiegel ist;
Es wird darin vernommen:
Was deinem Geist du schuldig bist
Soll er zum Leben kommen.

Willst du wahrhaftig glücklich sein,
Auf festem Grunde bauen;
Mußt du den Dornenweg nicht scheu’n,
Der Rosenbahn nicht trauen.

Einst war ein großer Mann bedacht
Uns darin einzuweihen,
Und führte durch die lange Nacht
Das Volk zum Fest der Maien.

Drum spare dir viel Ungemach,
Du Menschenkind, und höre,
Und denke der Verleugnung nach,
Und jener großen Lehre.

In uns ist zweierlei Natur,
Doch ein Gesetz für beide;
Es geht durch Tod und Leiden nur
Der Weg zur wahren Freude.

Matthias Claudius

Wo ist der Ort, an dem du weilst?

Wo ist der Ort, an dem du weilst?
An diesem Orte will ich sterben.
Kein andrer Port auf wildem Meer;
In diesem Porte will ich sterben.

Es läßt Karun von seinem Gold,
Der Reiche nicht von seinem Horte;
Wo wäre mir ein Hort, wie du?
Bei diesem Horte will ich sterben.

Und wenn du dich vor mir verbirgst,
Und wenn du deine Pforte schließest,
An dieser Pforte lager′ ich,
An dieser Pforte will ich sterben.

Das letzte Wort aus meinem Mund,
Was wird es sein? Dein süßer Name.
Wie fiele mir ein andres ein?
Mit diesem Worte will ich sterben.

Georg Friedrich Daumer

Nachtfalter

Nachtfalter kommen verloren
Wie Gedanken aus dem Dunkel geboren,
Sie müssen dem Tag aus dem Wege gehen
Und kommen zum Fenster um hellzusehen.
Und in die Nachstille versunken,
Flattern sie zuckend und trunken,
Sie haben nie Sonne, nie Honig genossen,
Die Blumen alle sind ihnen verschlossen.
Nur wo bei Lampen die Sehnsucht wacht,
Verliebte sich grämen in schlafloser Nacht
Da stürzen sie in das Licht, sich zu wärmen,
Das Licht, das Tränen bescheint und Härmen:
Die Falter der Nacht, die Sonne nie kennen,
Sie müssen an den Lampen der Sehnsucht verbrennen.

Max Dauthendey

Wem ein Seufzer fiel in den Schoß

Der Tag legt endlich die Krone ab,
Groß und mächtig wächst jeder Baum;
Sehnsucht tritt an der Wipfel Saum,
Und Seufzer fallen von Wolken herab.
Die Blätter hängen wie Stein bei Stein,
Nachtwinde schläfern die Erde ein.
Wem ein Seufzer fiel in den Schoß,
Den lassen die Tränen nicht mehr allein,
Den läßt die Dunkelheit nicht mehr los,
Dem wandern die Füße rastlos fort,
Sein Mund spricht manches begrabene Wort,
Die Nacht hängt als Schleppe an seinem Kleid,
Bis ihn ein Herz von dem Seufzer befreit.

Max Dauthendey

Wolkenschatten

Schwarz schleichen Efeuwellen
Über Goldlackranken.
Im Glimmersande rauchen
Violenschwüle Quellen.

Aschenfalter wehen und tauchen
Durch den klingenden Äther.
Die Gesänge der Lilien
Wanken und flehen.

Max Dauthendey

Widmung

Klänge wachsen auf den Wegen,
Im Gebüsch, im jungen Grün:
Alle meine Melodien
Möchte ich mit leisem Segen
Abends auf dein Kissen legen.

Wilde Blumen, seltne Früchte:
Was der reife Sommer bringt,
Möcht′ ich in dein Zimmer tragen;
Sollst mir keine Antwort sagen.
Still! - der Traum versinkt - verklingt.

Paula Dehmel

Dahin

Mit gesenkten Blicken
durch die Menge hin,
durch die fremde dunkle Menge,
eine traumentstiegene Palme,
kam die junge Priesterin.

Mit geschlossenen Wimpern
an den Altar hin,
ruhig an den flammenden Altar,
eine nachtgewiegte Zypresse,
trat die junge Priesterin.

Mit aufstrahlenden Augen
in zwei andre Augen hin,
Augen aus der Fremde,
niegesehene Heimatsaugen,
eine starre Mimose,
stand die junge Priesterin.

Mit hochzuckenden Händen
vor die Flamme hin,
vor die heilige Opferflamme,
eine blitzgetroffene Zeder,
sank die junge Priesterin.

Mit weit offenen Armen
in die Nacht dahin,
wild hin in die fremde Nacht,
eine sturmergriffne Liane,
schwand die junge Priesterin.

Richard Dehmel

Das große Karussell

Im Himmel ist ein Karussell,
das dreht sich Tag und Nacht.
Es dreht sich wie im Traum so schnell,
wir sehn es nicht, es ist zu hell
aus lauter Licht gemacht;
still, mein Wildfang, gib acht!

Gib acht, es dreht die Sterne, du,
im ganzen Himmelsraum.
Es dreht die Sterne ohne Ruh
und macht Musik, Musik dazu,
so fein, wir hören′s kaum;
wir hören′s nur im Traum.

Im Traum, da hören wir′s von fern,
von fern im Himmel hell.
Drum träumt mein Wildfang gar so gern,
wir drehn uns mit auf einem Stern;
es geht uns nicht zu schnell,
das große Karussell.

Richard Dehmel

An meine Mutter

So gern hätt′ ich ein schönes Lied gemacht,
Von deiner Liebe, deiner treuen Weise,
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt′ ich so gern geweckt zu deinem Preise.

Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten rollten drüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
vom einfach ungeschmückten Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin;
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen.

Annette von Droste-Hülshoff

Lied auf dem Kirchhofe

Sey leiser hier, du meines Kummers Klage,
Und seufze nur, was mich zu Gräbern beugt;
Verzeiht - verzeiht, ihr Todten, daß ichs wage
Zu jammern, wo des Schmerzes Stimme schweigt.

Nichts kann der Gräber stolze Ruhe stören,
Der Friede wohnt im stillen Schattenreich;
Drum will ich heilig eure Thäler ehren,
Ach! er, mein Herzensfreund, wohnt unter euch.

Mein Freund, der wieder all die süßen Bande,
Die längst die Welt von meinem Herzen riß,
Sanft knüpft′, und mir im finstern Wechsellande
Elisiums ewig daurend Glück verhieß.

Die heiße Stirn gelehnt am kalten Steine,
Der meiner Trauer stummen Hügel deckt;
Rinnt sanft, ihr Thränen! wie im Frühlingshayne
Des Morgens Thau, der junge Rosen weckt.

Sie fließen nicht, dich Freyen zu beklagen,
Der nicht im Kerker der Verwesung wohnt;
Dir jauchz′ ich zu, dem nun nach schwülen Tagen
Das kühle Wehn der Dulderpalme lohnt.

Dort seh ich dich den großen Morgen feyern,
Der nur an jenem Purpurufer tagt;
Wohin keins von des Lebens Ungeheuern
Durch Gottes Wachen sich hinüber wagt.

Nur mir, nur mir Gesunknen rinnt die Zähre,
Nur mich Verlaßne klagt dies Thränenlied;
Mir ist die Welt nur eine öde Leere,
Wo mir allein kein stiller Hügel blüht.

Er deckt mit dir auch alle bleichen Schrecken,
Die Gruft und Tod mir einstens schaudernd gab;
So muß die Nacht den jungen Morgen wecken,
Du starbst - und Heymath wird mir Tod und Grab.

Umschlungen unsrer schönsten Hoffnung Büste
Späh ich, ob bald der Kahn herüber schwimmt,
Der mich von der Verwesung schwarzen Küste
Zu dir - zu dir, mein Freund, hinüber nimmt.

Johanna Sophie Dorothea Albrecht

Nachts

Alles ruht - nur meine Seele
Ist noch ihrem Kummer wach;
Schmerzlicher, weil ichs verhehle,
Drückt sie ihr gepreßtes: Ach!

Schwüle liegt auf meinem Herzen,
Schwerer Ahndung bange Last -
Nie verschwinden diese Schmerzen,
Nur im Grabe wohnet Rast -

Gott! mein Gott! o gieb mir Stille,
Sprich zu meinem Geiste: Ruh!
Bey dir ist des Friedens Fülle,
Wink mir süßen Schlummer zu.

Johanna Sophie Dorothea Albrecht

Sehnsucht

Entfernter Freund!
Um den auf immer
Im stillen Zimmer
Mein Auge weint;
Dann, wenn die Sterne
Am Himmel blinken,
Und Liebe winken,
Denk ich der Ferne
In der du, ach!
Jetzt um mich leidest,
Und Freuden meidest,
Mit Thränen nach.
Und wenn mein Freund
Im Stralenkleide,
Zu meinem Leide
Mitleidig scheint;

Da werf ich mich,
Mit stummen Sehnen
Und tausend Thränen -
O! sähst du mich!
An jene Flüsse
Zur Erde nieder,
Die unsre Lieder
Und unsere Küsse
Beym Sternenschein
So oft belauschten,
und sanfter rauschten
Durch diesen Hayn -
Ach! keine Lieder
Und keine Küsse,
Ihr - Hayn - und Flüsse!
Belauscht ihr wieder -
Und denk an dich,
An jene Zeiten,
So voller Freuden
Für mich und dich;

Dann ruf ich dich
Durch alle Wälder,
Durch Thal und Felder
Als hört′st du mich.
Und wüst und schaurig
Ist Hayn - und Trifte,
Wie Todtengrüfte,
So bang und traurig.
O! Mond und Sterne,
Blickt tausend Küsse
Und tausend Grüsse
Dem in der Ferne,
Ihr könnt′ ihn finden!
So ruf und weine
Ich oft alleine
In öden Gründen.
So lächelt dir
Der Mond oft Küsse
So traurig süsse
Mein Freund von mir.

Johanna Sophie Dorothea Albrecht

Freundschaft

Von Freundschaft soll ich singen?
Wann gab ein Dichter der sein Lied?
Die um ihr ganzes Recht zu bringen,
Brauchts nur dass man dich lächeln sieht.

Bewundrer hat in ihrem Lenze
Die Schönheit, aber Freunde nicht.
Die Scherze flechten Heben Kränze,
Sie lacht und hört, was Amor spricht.

Noch fühlen wir der Jugend Freuden,
Wir lieben und wir wollen noch
Um seine nicht den Herbst beneiden,
Kömmt er zu früh uns einstens doch!

Heinrich Christian Boie

Grabschrift

Auf wem der stolze Marmor ragt?
Auf einem wohl gepriesenen Mann,
Der nie ein dummes Wort gesagt
Und nie ein kluges Werk getan.

Heinrich Christian Boie

Klagen

Deines Haines Finsternisse,
Oede Wildniss, sucht mein Schmerz.
Lindrung, ach! und Ruhe gieße
Dieses grauen mir ins Herz.

Jeder Freude bin ich müde,
Jedes Glück ist mir verhaßt;
Hin ist meines Lebens Friede
Und ich bin mir eine Last.

Berget ihr vielleicht, ihr Bäume,
Meine Rosilis? ich Thor!
Der ich stets zu sehn sie träumte,
Die ich ewig doch verlor.

Einst in diesen süßen Schatten
Sah ich sie an diesem Quell -
Stunden, wie nur wir sie hatten,
O wie flohet ihr so schnell!

Laßt mir Trost entgegen wehen,
Büsche, Zeugen meiner Pein!
Werd ich je sie wiedersehen?
Echo seufzet traurig Nein!

Ha! was flüstert durch den düstern
Grauenvollen Aufenthalt?
Ihre Stimme scheint zu flüstern,
Sagt sie mir: Ich komme bald?

Nein! es wälzet zwischen Steinen
Seine Wellen dort ein Bach,
Hemmt sein rauschen, sieht mich weinen,
Aechzet mir aus Mitleid nach.

Doch sie wird einst wiederkehren,
Wird den Wankelmuth bereun,
Aber dann vergebens Thränen
Meiner kalten Asche weihn.

Heinrich Christian Boie

Dein Leben ist dahin geschieden,
durch des Todes starker Hand.
Wir werden ewig daran denken,
was gemeinsam uns verband.
In tiefer Trauer steh'n wir hier,
voll Tränen vor dein Grab
und tief im Innern denken wir,
schön war's das es Dich gab.

Warum blicken wir traurig ins Leere?
Warum weinen wir Tränen wie Meere?
Warum sind in unseren Herzen Risse?
Warum wohl???
Weil wir Dich vermissen!

Wo Worte fehlen,
das Unbeschreibliche zu beschreiben,
wo die Augen versagen,
das Unabwendbare zu sehen,
wo die Hände das Unbegreifliche nicht fassen können,
bleibt einzig die Gewissheit,
dass Du für immer in in unseren Herzen weiterleben wirst.

Steh weinend nicht an meinem Grab,
ich lieg nicht hier in tiefem Schlaf.
Ich bin der Wind, der immer weht,
ich bin Brillantgefunkel im Schnee.

Ich bin die Sonne auf reifem Feld,
ich bin im Herbst der Regen mild.
Und wachst du auf in stiller Früh,
flattre als Vogel ich in die Höh,
zieh stumme, weite Kreise.

Nachts bin ich der weiche Sternenglanz.
Steh weinend nicht an meinem Grab,
ich lieg nicht hier, weil ich nie starb.

Es weht der Wind ein Blatt
vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war Teil von unserem Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
uns immer wieder fehlen.

Tretet her, Ihr meine Lieben.
Nehmet Abschied weint nicht mehr.
Hilfe konnt ich nicht mehr finden, meine Krankheit war zu schwer.
Manchmal wollte ich verzagen, hab gedacht, ich trüg es nie.
Und ich hab es doch ertragen, aber fraget nur nicht wie.

Es weiss ja keiner, der's nicht erlebt
wie's ist, wenn einer die Flügel hebt
und leise, leise sich auf die Reise - die letzte macht.
Es weiss ja keiner, dem's nicht geschah
wie's ist, wenn einer nun nicht mehr da.
Wenn leer die Stätte des, den man
hätte so gern noch nah.

Jetzt bleibt uns nichts von Dir
als die Erinnerung an
Deine Augen
Dein Lächeln
Deine Hände
in den Herzen der Menschen
die Dich lieben.

Sie ist nicht mehr da,
doch werde ich ihr täglich begegnen und sie grüßen,
denn ihr Lächeln, das sie schenkte,
ihre helfenden Worte und alles,
was sie für mich getan hat,
werden mich mein Leben lang begleiten.

Wie soll man dem Tod begegnen,
wenn er vor der Türe steht?
Soll man hoffen, soll man beten,
flehen, daß er weitergeht?

Ja! Er soll nur weitergehen -
denkt man und vergißt dabei,
daß nur der Tod kann es verstehen,
wenn einer sagt: Ich bin soweit.

Ist es auch schwer, ihn geh'n zu lassen,
den Menschen, der so nah uns stand,
wollen wir uns doch in Schweigen fassen:
Gott nahm ihn still an seine Hand.

Schlegels Grabschrift

Er starb der Genius vom tragischen Cothurne.
Noch liegt Melpomene gebückt auf seiner Urne,
Giebt ihren Lieblingen nur selten einen Blick
Und denkt an Schlegeln stets zurück.

Heinrich Christian Boie

Spruchverse

Verständnis für jedwedes Leid,
Erbarmen mild mit jedem Fehle;
Daran in dieser Zeitlichkeit
Erkennst du die erwählte Seele.

Nur der das Leiden kennt,
Kennt auch ein heiß Erbarmen;
Der selber darbt, der giebt;
Großmütig sind die Armen.

Marie von Ebner-Eschenbach

Abschied

Und als ich fortgezogen,
Hab' ich in der letzten Nacht
Der Straße, wo er wohnte,
Eine Abschiedsvisite gemacht.

Hab' angesehen die Steine,
Die oft sein Fuß betritt,
Und dachte, wär' ich reich,
Ich nähme sie alle mit.

Ich kam zu seinem Hause
Und wußte selbst nicht wie,
Und hin bis an das Thor -
Dort sank ich in die Knie'.

Und sah empor zum Fenster
Und hab' es schmerzlich gegrüßt;
Ich habe mit heißer Lippe
Die Stufen am Thore geküßt.

Ja selbst die kalte Mauer
Berührte mein brennender Mund;
Doch hielt ich zitternd inne,
Denn an mich hinan sprang sein Hund.

Und er stand hinter mir;
Ich sah ihn schweigend an.
Da fragte er mich lächelnd,
Was ich denn hier gethan?

Dies Lächeln war vernichtend,
Ich rang nach einem Wort;
Dann sagte ich kaum hörbar:
»Herr, morgen geh' ich fort.«

Und abermals dies Lächeln,
Das mich so elend gemacht:
»Ich wünsche glückliche Reise -
Und mithin gute Nacht.«

Ada Christen

Abschied

O Täler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächtger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäftge Welt,
Schlag noch einmal die Bogen
Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Tun und Lieben,
Und was des Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte, schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Wards unaussprechlich klar.

Bald werd ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernsts Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.

Joseph Freiherr von Eichendorff



Kerze anzünden

Jetzt eine Kerze anzünden »
Bisher wurden bereits über
14116 Kerzen entzündet.

Gedenkseiten

Über 1118 Trauerprüche »
11.11.2013 Dein Antlitz ist verschwunden die Blicke sind leer doch ... weiterlesen

11.11.2013 Du bist wie ein Buch das ich nie gelesen, wie ein Lied da... weiterlesen

11.11.2013 Nichts ist vergänglicher als unser irdisches Dasein, ... weiterlesen

11.11.2013 Wenn die letzte Seite dieses Lebens geschrieben ist, wurd... weiterlesen

11.11.2013 Jeder folgt in seinem Leben einer Straße. Keiner we... weiterlesen