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Das Kind an die erloschene Kerze.

Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein,
Erloschen ist so schnelle
Dein Licht, das freud'ge, helle,
    O mußt' es also sein!
Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein!

's ist nicht, weil ich nun weilen
    Muß in der Dunkelheit!
O brenntest du nur immer,
Und gäb' dein lieber Schimmer
    Nur Andern Freudigkeit!
's ist nicht, weil ich nun weilen
    Muß in der Dunkelheit!

Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein!
's ist nicht, weil ich alleine
Im Dunkeln bin und weine,
    Ich bin ja gern allein!
Du arme, arme Kerze,
    Giebst fürder keinen Schein!

Adelbert von Chamisso

Auf den Tod von Otto von Pirch.

Wen birgt da unten tief die schwarze Truhe,
    Die von dem Fall der Erde dumpf erschallt?
    Sagt, welchen Müden legt ihr da zur Ruhe? –
Von Pirch. – Ihr lügt! gar lebensfreudig wallt,
    Ich sah ihn gestern noch im Tagesscheine,
    Die kräft'ge, jugendstrahlende Gestalt. –
Da liegt er bleich und kalt im engen Schreine –
    Er sollt' es sein?! – Er ist's, den wir begraben. –
    Der Edle, Tapfre, Weise, Fromme, Reine!
Er, welchen schmückten alle höhern Gaben,
    Den wir ein Muster aller Tüchtigkeit
    Geehrt vor Allen und geliebet haben.
Er, den in dieser dünkelhaften Zeit
    Der Reiz der Demut zierte wunderbar,
    Dem Bessern stets zu huldigen bereit.
Der wie ein Held, der wie ein Kind auch war,
    Der .... O, mein Pirch! du bist dahin gegangen,
    Ich aber schüttle noch mein greises Haar.
Dein klares Aug' und deine frischen Wangen,
    Dein Bild wird, der Vergänglichkeit entrafft,
    Stets jugendhell vor meiner Seele prangen.
Das Alter aber zehrt an meiner Kraft,
    Der Lenz erweckt in mir den alten nicht,
    Da prüf' ich mich, da fühl' ich mich erschlafft.
Es zieht ein Nebelflor vor mein Gesicht,
    Von meinem Ohr entfernen sich die Töne;
    Ich merke, wie der Bau zusammenbricht.
Dich nahm der Tod in deiner vollen Schöne,
    Du fühltest nicht dich sterben Stück für Stück,
    Wie and're morschgeword'ne Menschensöhne.
Dir war das Leben Hoffnung nur und Glück,
    Enttäuschung hat es nimmer dir vergällt;
    Wir aber rufen schmerzlich dich zurück.
Denn alt geworden ist um uns die Welt,
    Es gleicht, was noch besteht, dem letzten Traum
    Zur Stunde, wo der Osten sich erhellt.
Es tragen sich die morschen Pfeiler kaum,
    Der Boden wankt, der Glauben ist verloren,
    Tiar'- und Kronengold ist eitel Schaum.
Dem Alten ist der Untergang geschworen,
    Verwesung greift um sich, die Stoffe gähren,
    Im Schmerze wird die neue Zeit geboren;
Sie wird nach Männern, so wie du, begehren.

Adelbert von Chamisso

Trost

Wenn alles eben käme,
Wie du gewollt es hast,
Und Gott dir gar nichts nähme
Und gäb´dir keine Last,
Wie wär´s da um dein Sterben,
Du Menschenkind, bestellt?
Du müßtest fast verderben,
So lieb wär´ dir die Welt.

Nun fällt - eins nach dem andern-
Manch süßes Band dir ab,
Und heiter kannst du wandern
Gen Himmel durch das Grab;
Dein Zagen ist gebrochen,
Und deine Seele hofft.-
Dies ward schon oft gesprochen,
Doch spricht man´s nie zu oft.

Friedrich de la Motte Fouqué

Trauer

Ich wandle einsam,
Mein Weg ist lang;
Zum Himmel schau ich
Hinauf so bang.

Kein Stern von oben
Blickt niederwärts,
Glanzlos der Himmel,
Dunkel mein Herz.

Mein Herz und der Himmel
Hat gleiche Not,
Sein Glanz ist erloschen,
Mein Lieb ist tot.

Peter Cornelius

O bitt euch liebe Vögelein

Liebessingsang, Trinkgejuchze,
Läppische Poeterei!
Nicht dies Nachtigallgeschluchze
O, nur einen Adlerschrei!

O, nur einen vollen, wahren
Ton aus tiefster Brust, davor
Wir erschreckt zusammenfahren,
Nicht den zahmen Gimpelchor.

Doch das zwitschert wie im Bauer
Blöde Dompfaffmelodei:
Holde Wehmut, süße Trauer,
O, nur einen Adlerschrei!

Gustav Falke

Pans Trauer

Die dunkle Trauer, die um aller Dinge Stirnen todessüchtig wittert,
Hebt sachte deiner Flöte Klingen auf, das mittäglich im braunen Haideröhrichtzittert.
Die Schwermut aller Blumen, aller Gräser, Steine, Schilfe, Bäume stummes Klagen
Saugt es in sich und will sie demutsvoll in blaue Sommerhimmel tragen.
Die Müdigkeit der Stunden, wenn der Tag durch gelbe Dämmernebel raucht,
Heimströmend alles Licht im mütterlichen Schoß der Nacht sich untertaucht,
Verlorne Wehmut kleiner Lieder, die ein Mädchen tanzend sich auf Sommerwiesen singt,
Glockengeläut, das heimwehrauschend über sonnenrote Abendhügel dringt,
Die große Traurigkeit des Meers, das sich an grauer Küsten Damm die Brust zerschlägt
Und auf gebeugtem Rücken endlos die Vergänglichkeit vom Sommer in den jungen Frühling trägt –
Sinkt in dein Spiel, schwermütig helle Blüte, die in dunkle Brunnenglitt . . .
Und alle stummen Dinge sprechen leise glühend ihrer Seelen wehste Litaneien mit.
Du aber lächelst, lächelst . . Deine Augen beugen sich vergessen, weltenweit entrückt
Über die Tiefen, draus dein Rohr die große Wunderblume pflückt.

Ernst Stadler

Der Abendstern

Alle Freud' und Trauer, o du holdselig
Wesen, so voll züchtigen Lichts und süßer
Keuscher Klarheit, wohnet in dir, im sanften
Sterne der Liebe.

Schön warst du, wenn einsam der Dichter oftmals
Seines Baches Erlen entlang im Thale,
Ach mit düstrem Sinnen und namenloser
Sehnsucht gewandelt.

Schön warst du, als endlich dies Herz gestillt war,
Als ein Auge, schwarz wie des Himmels lautre
Tiefe Nacht, aufblickte mit mir zum lieben
Sterne der Liebe!

Schön warst du, als träumend mit großen Menschen
Großen Freunden, schwärmend in Vorgefühlen
Künft'gen Ruhms, das Auge voll Gluth in deinem
Strahle sich kühlte.

Schön warst du, als endlich mein Schicksal nahte.
Als ich mehr verlor, denn ein Mensch gewinnen
Kann, kehrt' oft wehmüthig zurück im stillen
Sterne die Liebe.

Doch am schönsten dünkst du mir wohl vor Allem
Wenn ich oft im Schmerz und der Trauer meiner
Einsamkeit, in Schutt und in Säulentempeln
Heimathlich wandle,

Und zumal dein freundliches Licht des schwarzen
Colosseums Schauern, wie eine Seele
Ihrem Grab am Tag des Gerichts, entstrahlt, o
Stern du der Liebe.

Wilhelm Friedrich Waiblinger

Leben, in Winde gestreut

Drum hängt meine Sehnsucht, die ich nicht nennen kann,
noch an jener Wolke;
meine Trauer, die ich nicht sagen kann,
an jenem Tann;
und irgendwo in einer Welle
mein Schweifen, so uferlos ...
Nun wird es aus der Wolke dort
einem andern entgegenseufzen;
aus dem Tann ihm weinen;
die Welle wird ihn fortziehn
und er weiß nicht, warum ...

Leo Sternberg


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