Trauerlyrik » weitersagen

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Trauersprüche: Weltlich|Trauersprüche: Religiös|Trauersprüche: Zitate|Trauerlyrik


Wenn ich dereinst

Wenn ich dereinst ganz alt und schwach,
Und′s ist mal ein milder Sommertag,
So hink ich wohl aus dem kleinen Haus
Bis unter den Lindenbaum hinaus.
Da setz ich mich denn im Sonnenschein
Einsam und still auf die Bank von Stein,
Denk an vergangene Zeiten zurücke
Und schreibe mit meiner alten Krücke
Und mit der alten zitternden Hand
So vor mir in den Sand.

Wilhelm Busch

Lass ruh′n die Toten

Es steht ein altes Gemäuer
Hervor aus Waldes Nacht,
Wohl standen Klöster und Burgen
Einst dort in herrlicher Pracht.

Es liegen im kühlen Grunde
Behauene Steine gereiht;
Dort schlummern die Frauen, die Starken,
Die Mächt′gen der alten Zeit.

Was kommst du nächtlicher Weile
Durchwühlen das alte Gestein?
Und förderst hervor aus den Gräbern
Nur Staub und Totengebein.

Unmächtger Sohn der Stunde,
Das ist der Zeiten Lauf,
Lass ruh′n, laß ruh′n die Toten,
Du weckst sie mit Klagen nicht auf.

Adelbert Chamisso

Abendbild

Grau der Himmel, grau die Erde,
Grau das weite dürre Land,
Sonn′verbrannte nied′re Sträucher,
Schwarzer Sumpf und heißer Sand;

Doch schon weben in der Ferne
Abendnebel, dünn′ und leicht,
Ihre grauen feuchten Schleier
Und die träge Stille weicht.

Denn ein mildes kühles Lüftchen,
Wie der reine Athemzug
Eines schlafumfang′nen Kindes,
Hemmt der Vögel matten Flug.

Aus den Büschen, still sich regend,
Ein geheimes Flüstern bricht,
Leise klagt′s im Sumpf und silbern
Spiegelt sich das Mondenlicht. -

Ada Christen

Elend

Die Luft ist wie verpestet,
Vergiftet, was ich seh′,
Und alle Blicke sind Dolche
Und jedes Wort ein Weh.

Die Herzen sind verschlossen,
Erkennen mich nimmermehr;
Von Allen aber, von Allen
Verkennt mich am meisten er!

Und würd′ ich′s ihm erzählen,
Ihm Alles sagen - o Gott!
Er würde auch dann noch lachen
Und ich - ich wäre todt!

Und bist Du auch so höhnisch mit mir,
Und siehst du mich auch nicht gern,
So ist es mir dennoch manches Mal
Als ständ′ ich dir nicht so fern.

Als wären deine Gedanken
Dennoch öfter bei mir;
Und wenn ich so denke und sinne,
Dann treibt′s mich hin zu dir.

Ich stehe zitternd vor deinem Haus,
Mir ist, du müßtest mich holen;
Doch Niemand kommt und Niemand ruft -
Und weinend enteil′ ich verstohlen.

Ist es nicht thöricht und kindisch schwach,
Wenn ich so seufze und schwärme
Und tugendhaft und thränenreich
Leib und Seele hinunter härme.

Das Gestern mag vergessen sein
Sammt allen dunklen Sorgen,
Das Heut′ ist mein - und dieser Wein
Vergessen macht das Morgen.

Lebend unter Niedern und Rohen
Zieht′s mich mächtig empor zum Hohen;
Doch die Flügel beschwert mit Steinen,
Sink′ ich auf′s neue herab zum Gemeinen.
Müde des Eklen und Kleinen
Eil′ ich zu Orgien aus bitterer Noth -
Und so, begeistert vom Reinen,
Erstick′ ich noch im Koth!

Daß im Herzen mir erstorben
Alle, alle guten Keime,
Daß vom Laster überfluthen
Meine Worte, meine Reime;
Daß in der entweihten Brust
Wüste Leidenschaften toben:
Menschen, das verdank′ ich euch!
Teufel müssen euch belohnen!

Es giebt viel Elend in der Welt,
Viel tausend gebrochene Herzen;
An allen Ecken und Enden hallt
Der Aufschrei großer Schmerzen.

Ein Elend aber kenne ich -
Es kann kein größ′res geben;
Zwei kleine Worte schließen′s ein -
Es heißt: verfehltes Leben.

Hab′ oft nicht zurecht mich gefunden
Da draußen im Gedränge,
Und oft auch wieder wurde
Die Welt mir fast zu enge.

Dann liebt′ ich schnell und lebte schnell
Und schürte mein Verderben;
Der Pöbel johlte - ich lachte
Zu meinem lustigen Sterben.

So kommt und seht und staunt mich an!
Ich bin schon, die ihr sucht:
Das Wunderthier, das, noch so jung,
Die ganze Welt schon verflucht.

Doch fürchtet euch nicht, ich bin kein Thier,
Das Menschen zerreißt und verschlingt:
Ich bin ein armes Wesen nur,
Das von seinem Elend singt.

Ada Christen

Noth

All euer girrendes Herzeleid
Tut lang nicht so weh,
Wie Winterkälte im dünnen Kleid,
Die bloßen Füße im Schnee.

All eure romantische Seelennot
Schafft nicht so herbe Pein,
Wie ohne Dach und ohne Brot
Sich betten auf einen Stein.

Ada Christen

Abendlied

Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar;
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
Der weisse Nebel wunderbar.

Wie ist die Welt so stille
Und in der Dämmrung Hülle
So traulich und so hold!
Als eine stille Kammer,
Wo ihr des Tages Jammer
Verschlafen und vergessen sollt.

Seht ihr den Mond dort stehen? -
Er ist nur halb zu sehen
Und ist doch rund und schön!
So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsre Augen sie nicht sehn.

Wir stolze Menschenkinder
Sind eitel arme Sünder
Und wissen gar nicht viel;
Wir spinnen Luftgespinste
Und suchen viele Künste
Und kommen weiter von dem Ziel.

Gott, laß uns dein Heil schauen,
Auf nichts Vergänglichs trauen,
Nicht Eitelkeit uns freun!
Laß uns einfältig werden
Und vor dir hier auf Erden
Wie Kinder fromm und fröhlich sein!

Wollst endlich sonder Grämen
Aus dieser Welt uns nehmen
Durch einen sanften Tod!
Und, wenn du uns genommen,
Laß uns in Himmel kommen,
Du unser Herr und unser Gott!

So legt euch denn, ihr Brüder,
In Gottes Namen nieder;
Kalt ist der Abendhauch.
Verschon uns, Gott! mit Strafen,
Und laß uns ruhig schlafen!
Und unsern kranken Nachbar auch!

Matthias Claudius

Der Mensch

Empfangen und genähret
vom Weibe wunderbar,
kömmt er und sieht und höret
und nimmt des Trugs nicht wahr;
gelüstet und begehret
und bringt sein Tränlein dar;
verachtet und verehret;
hat Freude und Gefahr;
glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
hält nichts und alles wahr;
erbauet und zerstöret
und quält sich immerdar;
schläft, wachet, wächst und zehret;
trägt braun und graues Haar,
und alles dieses währet,
wenn′s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder
und er kömmt nimmer wieder.

Matthias Claudius

Die Sternseherin Lise

Ich sehe oft um Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und niemand mehr im Hause wacht,
Die Stern′ am Himmel an.

Sie gehn da, hin und her zerstreut
Als Lämmer auf der Flur;
In Rudeln auch, und aufgereih′t
Wie Perlen an der Schnur;

Und funkeln alle weit und breit,
Und funkeln rein und schön;
Ich seh die große Herrlichkeit,
Und kann mich satt nicht sehn...

Dann saget, unterm Himmelszelt,
Mein Herz mir in der Brust:
"Es gibt was Bessers in der Welt
Als all ihr Schmerz und Lust."

Ich werf mich auf mein Lager hin,
Und liege lange wach,
Und suche es in meinem Sinn,
Und sehne mich darnach.

Matthias Claudius

Ein Seliger an die Seinen in der Welt

Hier ist alles heilig, alles hehr!
Und die kleinen Erdenfreuden,
Und die kleinen Erdenleiden
Kümmern uns nicht mehr.
Doch wir denken hier an die da drüben,
Denken hier an sie, und lieben.

Matthias Claudius

Abend

Schwarze Moose.
Erdgeruch in lauen Flocken.
Schmale dünne Silberblüten
Und Gesang von bleichen Glocken.

Welke Feuer löschen leise.
Nur ein Atmen warmer Flut.
Blühend schmelzen rote Meere,
Dunkle Sonnen saugen Blut.

Max Dauthendey

Himmelfahrt

Schwebst du nieder aus den Weiten,
Nacht mit deinem Silberkranz?
Hebt in deine Ewigkeiten
mich des Dunkels milder Glanz?

Als ob Augen liebend winken:
alle Liebe sei enthüllt!
als ob Arme sehnend sinken:
alle Sehnsucht sei erfüllt -

strahlt ein Stern mir aus den Weiten,
alle Ängste fallen ab,
seligste Versunkenheiten,
strahlt und strahlt und will herab.

Und es treiben mich Gewalten
ihm entgegen, und er sinkt -
und ein Quellen, ein Entfalten
seines Scheines nimmt und bringt

und erlöst mich in die Zeiten,
da noch keine Menschen sahn,
wie durch Nächte Sterne gleiten,
wie den Seelen Rätsel nahn.

Richard Dehmel

Nacht für Nacht

Still, es ist ein Tag verflossen.
Deine Augen sind geschlossen.
Deine Hände, schwer wie Blei,
liegen dir so drückend ferne.
Um dein Bette schweben Sterne,
dicht an dir vorbei.

Still, sie weiten dir die Wände:
Gib uns her die schweren Hände,
sieh, der dunkle Himmel weicht -
Deine Augen sind geschlossen -
still, du hast den Tag genossen -
dir wird leicht - -

Richard Dehmel

Rückblick

In diesem Jahr verlor ich einen Freund.
Hier unterm Nußbaum sprachen wir uns aus.
Das Laub wird gelb; es wartet auf den Wind.
Ist das der Schluß?

Hier unterm Nußbaum gab mir eine Frau
in diesem Jahr errötend ihre Hand.
Still weht ein Blatt und treibt ins welke Gras.
Ist das der Schluß?

In diesem Jahr ... Vor meine Füße fällt
ein dumpfer Schlag zu Boden und zerplatzt,
und aus der Kapsel rollt die rauhe Frucht.
Das ist der Schluß!

Richard Dehmel

Stiller Gang

Der Abend graut; Herbstfeuer brennen.
Über den Stoppeln geht der Rauch entzwei.
Kaum ist mein Weg noch zu erkennen.
Bald kommt die Nacht; ich muß mich trennen.
Ein Käfer surrt an meinem Ohr vorbei.
Vorbei.

Richard Dehmel

Tief von fern

Aus des Abends weißen Wogen
taucht ein Stern;
tief von fern
kommt der junge Mond gezogen.

Tief von fern,
aus des Morgens grauen Wogen,
langt der große blasse Bogen
nach dem Stern.

Richard Dehmel

Zuflucht

Hinterm Elternhaus am kleinen Weiher,
dicht umdunkelt rings von Weidenruten,
breitet eine Pappel ihre schwanken
Zweige nickend über Schilf und Fluten.

Seltsam heimlich ist′s an diesem Orte;
schon als Knabe hab ich hier gesessen
und mich ausgeweint im Schutz der hohen
Binsen und mein junges Leid vergessen.

Wieder starr ich in das schwarze Wasser,
aber keine Träne will mir kommen;
nur die schwanken Pappelzweige seh ich
dort sich spiegeln, winkend, bleich, verschwommen.

Richard Dehmel

Am Kamin

Im Ofen knistert lustig laut das Feuer,
Phantastisch zucken Lichter hin und her,
Ins Spiel der Flammen starrt′ ich, weltvergessen,
Mich überflutet der Gedanken Meer.

Vorüber zogen meiner Kindheit Tage,
So freud- und freundlos, wie bei Andern kaum,
Ein stumpfergebnes Tragen und Entsagen,
Kein sorgenloser, sonnenheller Traum - -

Und halbzerdrückt sich von den Wimpern löste
Wohl eine Träne nach der andern leis′,
Weiß nicht, ob Zornes- oder Sehnsuchtstränen -
Doch bitter waren sie und brennend heiß.

Felix Dörmann

Einsam

Abgeschüttelt
Hab′ ich meiner Freunde Scharen,
Einsam bin ich geworden
Köstlich einsam...

Wie ferner Brandung
Schütterndes Tosen verklang
Der Lärm des Lebens,
Einsam bin ich geworden,
Köstlich einsam...

Aus tödtlichem Schlummer
Erstand meine Seele,
Und mit leiser, leiser,
Ängstlich-wagender Stimme singt sie
Alte, süße,
Thörichte Kinderweisen!
Einsam bin ich geworden,
Köstlich einsam. -

Felix Dörmann

Gebet

Trostlos-weinende Sehnsucht,
Du geleitest
Einzig meine verirrte,
Wundenblutige Seele,
Und Dein hilflos
Kindisch-thörichtes Weinen
Mehrt ihre Qualen.

Weinende Sehnsucht,
Lass′, o lass′ meine Seele
Pilgern und irren,
Fallen, verderben,
Aber gönn′ ihr
Hoffnungsloses,
Selig-schweigendes Sterben.

Felix Dörmann

Herbstschauer

Hinter fernen dunklen Häusermassen,
Versinkt die Sonne,
Ein tränenverschleiertes,
Müdegeweintes,
Riesengroßes Menschenauge.
Der Himmel aber leuchtet
Aus schwarzen Wolkenbänken
Matt und fahl,
Schier wie ein totenblasses Menschenkind,
Ein gramgebeugtes,
Das gern, so gerne sterben möchte -
Und leben muß.
Es klingt so schaurig
Wie Krankenstöhnen
Durch kahle Bäume
Das Ächzen des Windes,
Und gelbe, dürre, verfaulende Blätter
Sie tanzen mit ihm einen taumelnden Reigen
Und flüstern und rauschen
Geschichten sich zu,
Sterbenstraurig,
Verwesungsduftig
Und totentanzlustig.
Schwer auf die kalte, starre Erde
Tropft meiner Tränen brennende Saat...
Nicht der Taumel schreiender Lust,
Nicht verspäteter Arbeit eherne Fessel
Tilgt aus der Seele den marternden Stachel,
Den das Bewußtsein
Eines verlorenen,
Achtlos verstreuten Lebens
Qualvoll hineinbohrt.

Felix Dörmann

Im Kampf ums Dasein

In schlafberaubter stiller Nacht,
Wenn Alles müde ruht,
Steigt auf aus meiner Seele Schacht,
Mit trotzig ungestümer Macht
Der Qualgedanken Brut.

Es schwillt und quillt so heiß und rot
Das Blut empor zur Stirn,
Daß in des Denkens wilder Not
Zu bersten, zu versagen droht
Das müde Hirn.

Will ich des Lebens Kampf bestehn,
Mein Herz im Schmutz verdirbt - -
Nein! - ich will schlafen, schlafen gehn,
Wenn kühl des Herbstes Winde wehn
Und Alles ringsum stirbt.

Felix Dörmann

Totenliebe

Und leise trat ich an Dein Sterbelager,
Du kaum erschlossne, schnell verwelkte Blüte.
- - Mir war ja heimlich zugeflüstert worden,
Du hättest ganz im Stillen mich geliebt. - -

Noch einmal hoben sich die schweren Lider
Und aus den todesmatten Augen brach
Ein letzter - langer - tiefer Blick der Liebe,
Und Deine abgezehrte, kleine Hand,
Noch einmal legte sie sich fest in meine,
Und dann war Alles, Alles, Alles aus.

Halb unbewußt war ich hinausgegangen...
Zu einer stillen, grünen Ruhestätte,
Zu einem schattenkühlen Schlummerbette,
In dem ein Herz vergißt sein Glutverlangen.

Und wieder faßte mich das alte Bangen,
Das ich so gerne längst begraben hätte,
Und wieder hörte ich Dein dumpfes: "Rette!"
Das mich verfolgt in Nächten, qualvoll langen.

Und meiner Brust, der heißen, sehnsuchtstollen,
Erstickte Liebeslaute sich entrangen,
Und schwere Reuetränen niederquollen.

Da lebenswarm noch glühten Deine Wangen,
War ich zu kalt, um Freundschaft nur zu zollen,
Und jetzt, nach Deinem Tod, dies Glutverlangen?

Felix Dörmann

Der Todesengel

′s gibt eine Sage, daß wenn plötzlich matt
Unheimlich Schaudern einen übergleite,
Daß dann ob seiner künft′gen Grabesstatt
Der Todesengel schreite.

Ich hörte sie, und malte mir ein Bild
Mit Trauerlocken, mondbeglänzter Stirne,
So schaurig schön, wie′s wohl zuweilen quillt
Im schwimmenden Gehirne.

In seiner Hand sah ich den Ebenstab
Mit leisem Strich des Bettes Lage messen,
- So weit das Haupt - so weit der Fuß - hinab!
Verschüttet und vergessen!

Mich graute, doch ich sprach dem Grauen Hohn,
Ich hielt das Bild in Reimes Netz gefangen,
Und frevelnd wagt′ ich aus der Totenkron′
Ein Lorbeerblatt zu langen.

O, manche Stunde denk′ ich jetzt daran,
Fühl′ ich mein Blut so matt und stockend schleichen,
Schaut aus dem Spiegel mich ein Antlitz an -
Ich mag es nicht vergleichen; -

Als ich zuerst dich auf dem Friedhof fand,
Tiefsinnig um die Monumente streifend,
Den schwarzen Ebenstab in deiner Hand
Entlang die Hügel schleifend;

Als du das Auge hobst, so scharf und nah,
Ein leises Schaudern plötzlich mich befangen,
O wohl, wohl ist der Todesengel da
Über mein Grab gegangen!

Annette von Droste-Hülshoff

Und meine Seele

Und meine Seele
Trat vor mich hin
In kothbesudeltem Purpurgewande
Und sah mich an,
Todestraurig,
Mit schwimmenden Augen...
Und klagend klangen die Worte:
Siegt die Gemeinheit?,
Siegt die Noth des Daseins?
Muss ich sterben?
Und ich nickte,
Langsam,
Wortlos-ergeben,
Dreimal.

Felix Dörmann

Der Tod und das Mädchen

Das Mädchen:
Vorüber! Ach, vorüber!
Geh, wilder Knochenmann!
Ich bin noch jung, geh Lieber!
Und rühre mich nicht an.

Der Tod:
Gib deine Hand, du schön und zart Gebild!
Bin Freund, und komme nicht, zu strafen.
Sei gutes Muts! ich bin nicht wild,
Sollst sanft in meinen Armen schlafen!

Matthias Claudius

Treue

Ihr müsst dies Herz nicht schelten,
Das sich so schwer ergibt,
Könnt schneller es gesunden,
Dann hätt es nie geliebt.

Es gliche dann sein Fühlen
Ja nur dem Morgentau,
Den eine Sonnenstunde
Hinwegküsst von der Au.

Dann wär es wie die Welle,
So leicht und schnell erregt,
Und wie der Sommerfaden,
Den jeder Hauch bewegt.

Doch ach! es gleicht dem Felsen,
Der sich nicht beugen lässt;
Wie er am Schoß der Erde,
Hält es sein Fühlen fest.

Weil man darauf kann bauen,
Wie auf den Felsengrund,
Weil es ein Starkes, Festes,
Wird es so schwer gesund!

Luise Büchner

Trauer

Traurig, traurig, o das bist du sehr,
Armes Herz, so freudenlos und schwer!
Doch warum, warum darf ich nicht fragen,
Keine Antwort weißt du mir zu sagen.

Weiß der Himmel, warum über ihn
Düstre Wolkenschleier trauernd ziehen,
Und die Blume, die erst aufgesprossen,
Warum sie der Tod so schnell geschlossen?

Weiß der lächelnd heitere, junge Tag,
Der nur Glück und Freude spenden mag,
Warum kraftlos er muß still erbleichen,
Wenn sich nächtige Schatten auf ihn neigen?

Weiß die Erde, die in Frühlingspracht,
Wie ein Kind so hold und lieblich lacht,
Warum bald in Winters eisigem Wehen
Ihre süße Schönheit muß vergehen?

Armes Herz und willst du mehr denn sein,
Als der Frühling und der Sonnenschein?
Alles Heitre sinkt zum frühen Sterben,
Allem Schönen nahet das Verderben.

Ewige Trauer ist Gesetz der Welt,
Nur im Wechsel ist ihr Lust gesellt,
Und je mehr zum Schönen du erkoren,
Um so tiefer wird sie dich durchbohren!

Luise Büchner

Die Rosen

n dunkler Gartenlaube ein bleiches Mädchen stand,
Sie hielt zwei duftige Rosen in ihrer weißen Hand;
Und in den Kelch der rothen schaut sie mit trübem Schmerz:
So glühte und so prangte auch einst mein junges Herz;
So tranks in heißen Zügen des Lebens Morgenluft,
So quoll aus seinem Innern der Liebe süßer Duft.
Jetzt gleicht′s der weißen Rose, so kalt ist es und mild,
Wohl ruht darin geborgen manch′ liebes, teures Bild,
Doch ist sein Feuer erloschen, sein Klopfen fühl′ ich kaum,
Bald werd′ im Grab vergessen ich ganz der Jugend Traum.
Und wenn auf meinem Hügel dann weiße Rosen blüh′n,
So laßt an ihrer Seite auch rote Knospen glüh′n,
Den Schläfer einst zu nennen, des Denksteins braucht es nicht,
Mein Hoffen und Entsagen aus ihren Kelchen spricht!«

Luise Büchner

Stille Frage

Es quillt des Abendsterns
Geheimnisvoller Schein,
So nah und auch so fern,
Mir in das Herz hinein.

Drin glüht ein andres Licht,
So nah und auch so fern,
Das Herz umschließt es dicht -
Doch weit ists wie der Stern.

Du goldner Liebesstrahl,
Geh, frage deinen Stern,
Bleibt er zu deiner Qual,
Dir ewig, ewig fern?

Luise Büchner

Was bleibt?

Ach, was bleibt? - Ein kleiner Hügel,
Drüben mit dem leichten Flügel
Froh ein Sommerfalter fliegt
Und das Gras im Wind sich wiegt.
Eine Weile Angedenken
Mag man wohl den Schläfer schenken;
Bald weiß niemand, wer da liegt

Manche, die der Ruhm erhoben,
Hört man ein Jahrhundert lang,
Bis auch sie die Zeit verschlang.
Die zum Höchsten einst erkoren -
Ihr Gedächtnis ging verloren,
Wie ein Lied im Wind verklang.

Fern noch ragen mächt′ge Gipfel
Als der Menschheit stolze Wipfel
Leuchtend aus dem Nebelmeer:
Alexander und Homer.
Aber jene Zeit wird kommen,
Da auch sie im Duft verschwommen
Und es nennt sie keiner mehr.

Unterdes in ew′gen Kreisen
Und in altgewohnten Gleisen
Ihre Bahn die Erde geht,
Achtlos, was auf ihr besteht.
Achtlos auf der Menschheit Träume,
Wandelt sie durch Weltenräume,
Bis auch sie auch in Staub verweht

Rudolf Baumbach

An den Abend

Der du dem hingesunknen Volke,
Das laut dir rufet, dich versteckst,
Und noch mit einer Azurwolke
Dich vor dem Blick des Tages deckst;

Komm, Hesperus, aetherisch milde,
Komm, Götterkind auf diese Höhn,
Komm auf die lechzenden Gefilde,
Die deinem Gruß entgegen sehn!

Matt liegen sie! des Landmanns rege
Tonvolle Freude hemmt ein Ach,
Die Blumen welken hin und träge
In dürren Ufern schleicht der Bach.

Ohnmächtig flüstert durch die Aeste
Ein Wind, von schwülen Düften schwer. -
Was zaudert ihr? Fliegt, fliegt, ihr Weste,
Und traget meinen Liebling her!

Triumph! Sie haben ihn gefunden!
O seht ihn! welch ein göttlich Bild!
Mit Ros' und Myrte rund umwunden
Und ganz in Wohlgeruch gehüllt.

Von Zephyretten hergetragen,
Die schon von seiner Wonne glühn,
Nachläßig, langsam schwimmt sein Wagen
Durch den zerrißnen Aether hin.

Im heitern drängenden Gewimmel,
Begleitet von der Scherze Chor,
Fliegt lächelnd durch die stillen Himmel
Die Freude seinem Wagen vor,

Und senkt, gegrüßt durch frohe Lieder,
Noch ehe sie sein Fuß betritt,
Sich segnend auf die Flur hernieder
Und singt in ihre Chöre mit.

O! welche Ambradüfte wallen
Von jedem Anger zu dir auf!
Herabgefleht, erseufzt von allen,
Beschleunige den trägen Lauf!

Antwortend klopfet dir in Schlägen
Des Mädchens und des Jünglings Brust
Dir eilet Mann und Greis entgegen,
Dir, Freund der Liebe, Freund der Lust!

Zu dir schwingt sich in Lobgesängen
Der Vögel lautes Volk empor.
Wie süßgemischte Töne drängen
Sich schmeichelnd in mein horchend Ohr!

Dir schlägt der Wachtel helle Kehle,
Die Lerche die sich früh erhob.
Die klangenvolle Philomele,
Die holde Amsel tönt dein Lob!

Welch ein Concert! Die kleine Grille
Mischt leisezirpend auch sich ein,
Und von dem fröhlichen Gebrülle
Des Viehes bebt der nahe Hayn.

Wer wird hier fühllos nicht empfinden?
Die ganze Flur wird ein Gesang;
Er tönt von Bergen, tönt von Gründen;
Der Nachhall wiederholt den Klang.

Und zornig dich zu sehn entrücket
Die Sonne deinem Auge sich;
Nur durch ein dünnes Wölkchen blicket
Sie schamroth einmal noch auf dich.

Wie schön, wie majestätisch schwebet
Ihr glühend Antlitz auf der Fluth!
O! welch ein goldner Schimmer bebet
In Purpurwolken! welche Glut!

Sie sinkt! sie sinkt! und läßt umwunden
Von dir die Erde, die vergißt
Daß sie des Tages Last empfunden
Und deinen milden Scepter küsst.

Um ihre Stirne frische Kränze
Und sanft geschlungen Hand in Hand,
Versuchen Hirten ihre Tänze
Und singen den, der sie verband.

Von deinem holden Einfluß trunken
Fühlt sich der Nymphen lose Schaar,
Und an des Freundes Brust gesunken,
Kränzt jene dort sein blondes Haar.

Sie lacht mit ihm und küsst ihn freyer,
Kein neidisch Auge darf sie scheun;
Dein grauer zartgewebter Schleyer
Hüllt sie in leichte Schatten ein.

Wie still wird izt die Luft! - Die Winde,
Wie lieblich sind sie und wie schwach!
Sanftlispelnd spielt das Laub der Linde,
Und sanfter lispelt Echo nach.

Durch Blumen rinnt die Silberquelle;
Es wäscht dem Ohr vernehmlich kaum
Mit klagendem Geräusch die Welle
Der schauervollen Grotte Saum.

Und immer dunkler wird die Hülle
Die deine Huld der Erde webt,
Und immer festlicher die Stille
Die alles nach und nach begräbt,

Bis daß gehört in Feld und Hütten
Kein Laut, kein Ton der Stimme wird,
Nur wo allein mit leisen Schritten
Noch heilige Betrachtung irrt.

Sie kömmt die Nacht, und alles lauschet,
Kein Stern erhellet ihr Gewand.
Ihr langsam schwerer Fittig rauschet,
Erquickt und schreckt das bange Land.

Der Gott des Schlafs fliegt ihr zur Seiten;
Die Phantasie, der Träume Flug,
Der Eulen banger Schwarm begleiten
Den ernsthaftfeyerlichen Zug.

Ein Mantel, der voll frischer Düfte
Sich stolz an ihrer Schulter bläht,
Fließt ausgewickelt durch die Lüfte
In stralenloser Majestät.

Und meiner müden Hand entsinket
Die Laute, die ich willig nahm,
Wenn vom Olympus hergewinket
Zu mir die jüngste Muse kam.

Heinrich Christian Boie

Das Brünnchen der Vergeßenheit

Verzehrt von Schwermuth und von Liebe
Floß immer seufzend, immer trübe
Selindor in ein Brünnchen hin;
Und alle, die zu diesem kamen,
Vergaßen trinkend selbst den Namen
Der ungetreuen Schäferin.

Philinden endlich zu vergeßen,
Die schon zu lang dieß Herz beseßen,
Kam ich auch jüngst hierher gerannt.
Doch sie war mir zuvorgekommen
Und hatte schon so viel genommen,
Daß ich für mich kein Tröpfchen fand.

Heinrich Christian Boie

Die Sekunde

Ich meß nach der Dauer das Leben,
Berechnet nach Jahren die Zeit,
Ich zähle nicht Tag und nicht Stunde,
Ich hab' in einer Sekunde
Durchlebt die Ewigkeit.

Viel Jahre zogen vorüber
Und ließen die Seele mir leer,
Es blieb von keinem mir Kunde.
Die eine, die eine Sekunde,
Vergess' ich nimmermehr.

Marie von Ebner-Eschenbach

Ein kleines Lied

Ein kleines Lied, wie geht′s nur an,
daß man so lieb es haben kann?
Was liegt darin? Erzähle!

Es liegt darin ein wenig Klang,
ein wenig Wohllaut und Gesang
und eine ganze Seele.

Marie von Ebner-Eschenbach

Einschlafen

Der Tag ist aus, und nun - wie himmlisch wohl wird's tun,
Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruhn.
- Es war ein harter Tag. Vorüber und vorbei!
Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei;
Wenn nicht - nun denn, nun denn! - zu leiden und zu streben,
Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben.
Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende,
Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände.
Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht,
Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht?
Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten
Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten
Jedwedem einst bestimmt. - Wär's jedem auch beschieden,
Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden.
In sel'gem Frieden ... Ach, braucht' ich zu wünschen nur,
Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur,
Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm,
Ich schafft' auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm ...
Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen
Und konnt darüber nie zu voller Klarheit kommen.
- Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit! -
Nicht denken jetzt, nicht mehr - es ist ja Schlafenszeit,
Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke
Mich allem Leid.
Ich wollt', ich fänd' einmal die Brücke,
Die aus dem wachen uns, dem vollbewußten Sein
Ins halbbewußte Reich des Traumes führt hinein.
Ein zarter Wunderbau, ein rätselhafter Steg,
Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg. - - -
Ei horch, wie's summt und klingt: - die Spieluhr regt sich wieder
Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ...
Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, du,
Wann endlich kehrst du heim? wann jauchzt dein Gruß mir zu? ...
Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein,
Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ...
Da steht er ja, er selbst - umhaucht von Harzesduft,
Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft. -
Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten
Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten.
So komm! - wo bist du nun? ... gar nirgends zu entdecken -
Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken - -
Mit ihm verschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen,
Die qualmend sich zerstreun, die sich zusammen ballen -
Und jetzt - o Seligkeit - o Himmelsblumen: Sterne!
Erhebt sichs wie Gesang so mild und rein -
Ich schlafe nicht, noch lange nicht - o nein -

Marie von Ebner-Eschenbach

Sommermorgen

Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
Auf grünen Hügeln weitgestreckt
Erglänzt die Morgensonne;
Die tauerfrischten Zweige hebt
Der junge Buchenwald und bebt
Und bebt in Daseinswonne.

Es stürzt in ungestümer Lust
Herab aus dunkler Felsenbrust
Der Gießbach mit Getose,
Und blühend Leben weckt sein Hauch
Im stolzen Baum, im niedren Strauch,
In jedem zarten Moose.

Und drüben wo die Wiese liegt,
Im Blütenschmuck, da schwirrt und fliegt
Der Mücken Schwarm und Immen.
Wie sich′s im hohen Grase regt
Und froh geschäftig sich bewegt,
Und summt mit feinen Stimmen.

Es steigt die junge Lerche frei
Empor gleich einem Jubelschrei
Im Wirbel ihrer Lieder.
Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
Die Amsel segelt durch die Luft
Auf goldenem Gefieder.

O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
O rastlos Werden, holdes Sein,
O höchsten Reichtums Fülle!
Und dennoch, ach - vergänglich nur
Und todgeweiht, und die Natur
Ist Schmerz in Schönheitshülle.

Marie von Ebner-Eschenbach

Abschied

Sag mir, daß du dich im Föhnwind sehnst
Und daß du trauern würdest,
Wenn ich ginge.
Sag mir, daß diese Tage schön sind
Und daß du weinen wirst,
Wenn ich nicht singe.

Sag mir, daß du dem Leben gut bist.
Sag meiner Stimme,
Daß sie nie verwehe...
Und daß du heiter und voll frohen Mut bist,
Auch wenn ich lange Zeit
dich nicht mehr sehe.

Sag mir, daß ich ein töricht Kind bin,
Und streichle mich, wie eine junge Meise.
Sag mir, daß ich zu dir zurückfind,
Auch wenn die Nächte dunkel sind,
Durch die ich reise.

Hugo Ball

Abschiedszeichen

Mündlich.

Wie schön blüht uns der Mayen,
Der Sommer fährt dahin,
Mir ist ein schön Jungfräuelein
Gefallen in meinen Sinn.
Bey ihr ja wär mir wohl,
Wann ich nur an sie denke,
Mein Herz ist freudenvoll.

Wenn ich des Nachts lieg schlafen,
Mein Feinslieb kommt mir für,
Wenn ich alsdann erwache,
Bey mir ich niemand spür;
Bringt meinem Herzen Pein,
Wollt Gott, ich sollt ihr dienen,
Wie möcht mir bas gesein.

Bey ihr da wär ich gerne,
Bey ihr da wär mirs wohl;
Sie ist mein Morgensterne
Strahlt mir ins Herz so voll.
Sie hat ein rothen Mund,
Sollt ich sie darauf küssen,
Mein Herz würd mir gesund.

Ich werf mit Rosenblättern
In Liebchens Fenster ein:
Ey schlafe oder wache,
Ich möchte bey dir seyn!
Das Fensterlein steht auf
Wie bey dem Vogelsteller,
Ich wag mich nicht hinauf.

Wollt Gott, ich fänd im Garten
Drey Rosen auf einem Zweig,
Ich wollte auf sie warten,
Ein Zeichen wär′s mir gleich;
Das Morgenroth ist weit,
Es streut schon seine Rosen,
Adie meine schöne Maid.

Achim von Arnim

Abschiedsklage

Ach in Trauern muß ich leben,
Ach! wie hab ichs denn verschuldt?
Weil mirs hat mein Schatz aufgeben,
Muß ichs leiden mit Geduld.

Vater und Mutter, die wollens nicht leiden,
Gelt mein Schatz, das weißt du wohl?
Du hast recht in allen Sachen,
Kannst dein Glück noch besser machen,
Weil ich dich nicht kriegen soll.

Rosmarin und Lorbeerblätter
Verehr ich dir zu guter lezt,
Das soll seyn das lezt Gedenken,
Weil du mich nochmals ergötzt.

Es sind zwey Stern an dem Himmel,
Leuchten wie das klare Gold,
Der eine leucht zu meim Schätzchen,
Der andre durch das finstre Holz.

Sind wir oft beisammen gesessen,
Manche schöne halbe Nacht.
Haben wir oft den Schlaf vergessen,
Und mit Lieben zugebracht.

Morgens wenn ich früh aufstehe,
Ist mein Schatz schon aufgeputzt;
Schon mit Stiefeln, schon mit Sporen,
Giebt er mir den Abschiedskuß!

Achim von Arnim

Abschied für immer (2)

Ist′s ein Wunder, daß dich alle lieben,
Die nach meinem Scheiden sich dir nahen,
Meine Seufzer sind bei dir geblieben
Und als Luftgeist sehnlich dich umfahren,
Wer zu athmen wagt an deinem Munde
Zieht sie unbewußt zu seinem Herzen,
Diese Seufzer mancher trüben Stunden,
Diese Geister, mir entflohn in Schmerzen.

Zu lebendig war des Herzens Hoffen,
Es vergeht nicht mit den Schmerzenstagen,
Ja es liegt die Welt jetzt vor mir offen,
Meine Liebe fühl′ ich drinnen schlagen;
Leb′ ich nun in Andern, die dich lieben,
Mag ich wohl der armen Mutter gleichen,
Die ihr Kind von ihrer Brust vertrieben,
Ihre Brust dem fremden Kind zu reichen.

Hoffnungsgeister, die mit schönen Bildern
Mich getäuschet wie die Jugendzeiten,
Meiner Nächte Einsamkeit zu mildern,
Ich entlaß euch in die blauen Weiten,
Einen Händedruck gebt noch zum Scheiden,
Sei′s die Jugend, die ich heut entlassen,
Was auch komme, nichts will ich vermeiden,
Was vorbei, das läßt sich nicht mehr fassen.

Achim von Arnim

Abschied für immer

Mündlich.

Heute marschieren wir,
Morgen marschieren wir,
Zu dem hohen Thor hinaus,
Ey du wacker schwarzbraun Mägdlein,
Unsre Lieb ist noch nicht aus.

Reist du schon fort?
Reist du denn schon fort?
Kommst du niemals wieder heim?
Und wenn du kommst in ein fremdes Ländchen,
Liebster Schatz vergiß mein nicht.

Trink du ein Gläschen Wein,
Zur Gesundheit mein und dein,
Kauf mir einen Strauß am Huth,
Nimm mein Tüchlein in die Tasche,
Deine Thränlein mit abwasch.

Es kommt die Lerche,
Es kommt der Storch,
Es kommt die Sonne ans Firmament.
In das Kloster will ich gehn,
Weil ich mein Schätzchen nicht mehr thu sehen,
Weil nicht wiederkommt mein Schatz!

»Dorten sind zwey Turteltäubchen,
Sitzen auf dem dürren Ast,
Wo sich zwey Verliebte scheiden,
Da verwelket Laub und Gras,
Was batt mich ein schöner Garten,
Wenn ich nichts darinnen hab,
Was batt mich die schönste Rose,
Wenn ich sie nicht brechen soll,
Was batt mich ein jung frisch Leben,
Wenn ichs nicht der Lieb ergeb?«

Achim von Arnim

Wir sind vom gleichen Stoff,
aus dem die Träume sind,
und unser kurzes Leben
ist eingebettet in einen langen Schlaf.

Shakespeare

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen

unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

Schlussstück

Der Tod ist groß,
Wir sind die Seinen
lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen,
wagt er zu weinen
mitten in uns.

Rainer Maria Rilke

Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf.
Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
Ich leb in euch, ich geh in eure Träume,
da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.

Ihr glaubt mich tot, doch dass die Welt ich tröste,
leb ich mit tausend Seelen dort,
an diesem wunderbaren Ort,
im Herzen der Lieben. Nein, ich ging nicht fort,
Unsterblichkeit vom Tode mich erlöste.

Michelangelo Buonarroti

Feldeinsamkeit

Ich liege still im hohen, grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn′ Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne, weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne, stille Träume;
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ew′ge Räume.

Hermann Ludwig Allmers

Es war mein Vater

Es war mein Vater der im Sterben lag, Seit jeher geholfen, ohne Ruh und Plag, er war nicht nur ein Vater, nein, immer versuchte er ein guter Freund zu sein.
Es war mein Vater der niemals über Schmerzen klagte, die Krankheit ihn doch bitter plagte, niemals kam ein schlechtes Wort aus seinem Mund, er dachte doch er ist gesund. Es war mein Vater der mir als Kind erzählte, was ihn in seiner Kindheit quälte, wie das Leben schön und lebenswert sein kann, wie der Mond in seiner Umlaufbahn.
Es war mein Vater den ich hier zu Grabe trug, er verlor in keiner Weise mal den Mut, stets in Freundschaft und mit helfend Hand, ging er mit meiner Mutter durch das Land.
Es war mein Vater den ich als Freund auch hier verlor, muss Abschied nehmen, nun steht er vor dem Himmelstor, gerufen hat ihn Gott unser Herr, Abschied nehmen fällt uns allen sehr, sehr schwer.
Es ist mein Vater der nun lebt in einer anderen Welt, nur die weißen Engel sind um ihn gestellt, ewig weiter lebt er doch in unsren Herzen, vorbei sind nun die quälend Schmerzen, ertrug er sie doch tapfer wie ein Krieger, doch leider blieb der Tod, der wahre Sieger.

Es war mein Vater..........................

Wenzl Martin – 14. Jänner 2010 – in Aufrichtiger Anteilnahme

Der Himmel ist meine Heimat.

Mir gefielen die Farben des Sonnenunterganges. Ich liebte die frische, reine Luft nach den Gewittern. Ich liebte das Geräusch der Wellen im Meer, ich liebte die Natur. Ich wollte auf den Farben des Regenbogens dahineilen, ich wollte wie ein Adler fliegen, um das Leben einzuatmen aber ich konnte es nicht, weil ich ein Geschöpf war.

Jetzt bin ich Geist, kein Geschöpf der Erde mehr. Ich fühle nicht mehr die Schwere meines Leibes und mein Wesen ist ganz vollkommen - es ist ganz das Wesen, das ich bin. Ich liebte die Wellen - jetzt bin ich eine Welle. Ich wollte ein Adler sein - jetzt bin ich ein Adler. Ich wollte auf den Farben des Regenboges dahineilen - jetzt eile ich auf den Farben des Regenbogens dahin. Hier fehlt nichts. Denn hier wird jeder Wunsch und jeder Gedanke in die Tat umgesetzt. Die kleinen und grossen Freuden der Erde kommen zu der unermesslichen Freude des Himmels hinzu.

Jetzt werfe ich tausend Blütenblätter auf euch herab. Ich bin bei euch, ich bin euch nahe. Ich bin immer gegenwärtig.

Eingereicht von Angela



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