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Trauerlyrik

Lyrik berührt viele Menschen in besonderem Maße und löst in ihnen tiefe Emotionen aus. Nicht selten empfindet man ein Gedicht als das, was man empfindet, selbst aber nicht in Worte fassen kann. Auf Trauerlyrik trifft dies ganz besonders zu, denn der Tod eines geliebten Menschen hinterlässt die Angehörigen mehr oder weniger sprachlos. Gleichzeitig sind sie gewissermaßen traumatisiert und befinden sich in einem Chaos der Gefühle. Die Trauerbewältigung braucht Zeit und erweist sich als langwieriger Prozess. Trauerlyrik kann allerdings in jeder Phase helfen, den schmerzlichen Verlust besser zu verkraften. Betroffene fühlen sich verstanden und empfinden passende Gedichte vielfach als sehr tröstend. Der Wert von Trauerlyrik sollte somit nicht unterschätzt werden.

So finden Sie die richtige Trauerlyrik

Auf der Suche nach passenden Trauersprüchen sollte die Wirkung von Gedichten auf keinen Fall verkannt werden. Trauerlyrik ist folglich ein nicht zu vernachlässigendes Thema. Gedichtbände und auch Online-Portale sind hier zentrale Anlaufstellen und bieten einen guten Überblick über gängige Trauergedichte. Die Bandbreite reicht von kurzen Zweizeilern bis hin zu ausschweifenden Gedichten mit mehreren Versen. Auch die inhaltlichen Schwerpunkte können variieren, denn obwohl es immer um den Tod geht, kann entweder das Sterben als natürlicher Prozess, der unermessliche Schmerz der Hinterbliebenen oder auch die Hoffnung auf ein Wiedersehen im Jenseits thematisiert werden. Trauernde haben zuweilen auch ganz eigene Vorstellungen und können sich mitunter an eigenen Trauergedichten versuchen. Diese sind dann auf den Einzelfall zugeschnitten und helfen dem Verfasser zudem, die eigenen Emotionen zu ordnen und in den Griff zu bekommen.

Unabhängig davon, ob man nach passender Trauerlyrik für Karten, Gedenkseiten oder Trauerbriefe sucht oder sich einfach zu eigenen Gedichten inspirieren lassen möchte, finden sich hier auf Trauersprueche.org einige Beispiele.

Auf dieser Seite finden Sie eine Auswahl an Trauergedichte und Verse

Ruhe! Stille in den Wänden
und ein Herz aus Liebe schreit.
Einsamkeit! In Gottes Händen
unser Trost und Hoffnung bleibt
Traurigkeit! weil wir verloren,
was dem Herz am liebsten war.
Seeligkeit! das es geboren,
ward für uns, für jedes Jahr.
Liebe! wenn wir wiedersehen,
wieder uns nach Zeit und Raum.
Freude! wenn gemeinsam gehen,
wir dereinst in ew'gem Traum.

Aline Hasenfuss

Inmitten der schwersten Stunden,
wird jede Seele doch gesunden.
Sie überwindet die der Trauer und der Mühen
und wird zu neuem Leben erblühen:
Getragen von der himmlischen Kraft,
die alles stets neu und heil erschafft.

Ich wär so gerne noch geblieben,
mit Euch vereint ihr meine Lieben,
doch weil es Gott so haben will,
geh ich fort ganz leis und still.

Hast geplagt dich, lieber Vater, sorgtest dich um unser Glück.
Bist jetzt müde, gehst zum Vater, läßt uns hier allein zurück.
Habe Dank, geliebter Vater, schließ die müden Augen zu,
ruhe aus die lieben Hände, falte sie zur ewigen Ruh.

Die Gnade Gottes ist das ewige Leben
in Jesus Christus, unserem Herrn.

Römer 6,23

Die Tiefpunkte Deines Lebens sind schmerzlich,
aber sie ändern Dein Leben.
Auch das Leid hat seinen Sinn,
es läutert Dich und leitet Dich.

In mir ist es finster - aber bei Dir ist das Licht.
Ich bin einsam - aber Du verlässt mich nicht.
Ich bin kleinmütig - aber bei Dir ist Hilfe.
Ich bin unruhig - aber bei Dir ist Friede.
In mir ist Bitterkeit - aber bei Dir ist Geduld.
Ich verstehe Deine Führung nicht -
aber Du weißt den Weg für mich.

Dietrich Bonhoeffer

Wenn wir unseren Körper verlassen,
frei von Schmerzen und allem,
was uns quälte -
dann können wir, leicht wie ein
Schmetterling, heimkehren zu Gott.

Mensch, Salz der Suppe …

Der Holzlöffel mischt mich in kochende, fremde Massen.
Wo ist nun das einstige Schimmern, die friedlich-weiße Gemeinschaft stiller Kristallgeschwister?
Wehe mir, ich schmelze, verschwinde!
Und ich rufe euch dennoch aus der wallenden, kochenden Tiefe, dass ich doch Salz bleibe, selbst in der Suppe Salz bleibe!
Die Farbe vergeht. Die Form vergeht. Der Geschmack bleibt.
Und mich belebt während des Mischens ein seliger Trost.
Es ist schon gut! Weiß ja, wer den Löffel bewegt.

Erzébet Túrmezei, Oberin in Budapest
(von unbekanntem Übersetzer)

Frag nicht warum, frag nicht wozu,
dann kommt dein Herz niemals zur Ruh'.
Auf dein Wozu, auf dein Warum,
bleibt doch des Schicksals Mund nur stumm.
Gott weiß warum, Gott weiß wozu,
dies Wissen gibt dem Herzen Ruh'.

Lasset uns bei Gottes Walten
stille unsere Hände falten.
Tapfer seine Wege gehen,
wenn wir sie auch nicht verstehen.

Das Licht helfe dir, Kurs zu halten auf deiner Reise.
Der Wind stärke dir den Rücken.
Der Sonnenschein wärme dein Gesicht
und der Regen falle sanft auf deine Haare.
Bis wir uns wiedersehen,
halte Gott dich geborgen in seiner schützenden Hand.

Irischer Reisesegen

Der Mensch lebt und besteht nur eine kleine Zeit;
und alle Welt vergeht mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur einer ewig und an allen Enden,
und wir in seinen Händen.

Matthias Claudius

Gott hilft uns nicht immer am Leiden vorbei,
aber er hilft uns hindurch..

Johann Albrecht Bengel

Wenn wir verstehen,
dass wir mit allen Lebewesen verbunden sind,
verlieren wir die Angst.

Buddhistische Quelle

O Sohn des Höchsten!

Den Tod machte Ich dir zum Boten der Freude.
Warum bist du traurig?
Das Licht erschuf Ich, dich zu erleuchten.
Warum verhüllst du dich vor ihm?

Baha'u'llah

Behüte mich Gott, denn ich vertraue Dir.
Ich sage zu Dir:
"Du bist mein Herr, mein tiefstes Glück bist Du allein."
Darum freut sich mein Herz und frohlockt meine Seele.
Und auch mein Leib wird ruhen in Frieden.

Psalm 16

Das Sichtbare vergeht,
doch das Unsichtbare bleibt ewig.

Aus der Bibel

Eine Zeit geboren zu werden,
eine Zeit zu sterben,
eine Zeit zu suchen,
eine Zeit zu verlieren,
eine Zeit zu lachen,
eine Zeit zu weinen,
eine Zeit zu reden,
eine Zeit zu schweigen,
eine Zeit beisammen zu sein,
eine Zeit sich zu trennen.


PREDIGER 3, 1-8

Beim Aufgang der Sonne
und bei ihrem Untergang
erinnern wir uns an sie;
Beim Wehen des Windes
und in der Kälte des Winters
erinnern wir uns an sie;
Beim Öffnen der Knospen
und in der Wärme des Sommers
erinnern wir uns an sie;
Beim Rauschen der Blätter
und in der Schönheit des Herbstes
erinnern wir uns an sie;
Zu Beginn des Jahres und wenn es zu Ende geht, erinnern wir uns an sie;
Wenn wir müde sind
und Kraft brauchen,
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir verloren sind
und krank in unserem Herzen
erinnern wir uns an sie;
Wenn wir Freude erleben,
die wir so gern teilen würden
erinnern wir uns an sie;
So lange wir leben,
werden sie auch leben,
denn sie sind nun ein Teil von uns,
wenn wir uns an sie erinnern.

jüdisches Gebetbuch

Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe.
In des Alltags Widrigkeiten
spür ich Dich in meiner Nähe.

Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe,
und mein Päckchen trägt sich leichter,
wenn ich dabei auf Dich sehe.

Dieses Wissen, dass Du da bist
stärkt mich dort, wo ich grad stehe.
Du bist der, von dem ich komme,
Du bist der, zu dem ich gehe.

Renate Eggert-Schwarten

Jesuskind, du Licht der Blinden...

Jesuskind, du Licht der Blinden
Mache mich doch einmal blind
Daß ich dir, wie mir dies Kind,
Auf dem Pfad mich mög verbinden
Wo du mich auch hin willst führen
Denn mein armes eignes Licht
Kann auch selbst beim Licht noch nicht
Dich das wahre Licht recht spüren
O wie töricht, töricht ist
Der nicht in allem ohne Ausnahm
Folget dir zu jeder Frist.

Clemens Brentano

Am Tage vor dem Abendmahl

Was ich tue, was ich denke,
Alles, was mit mir geschieht,
Herr! nach deinem Auge lenke,
Das auf meine Wege sieht.

Clemens Brentano

Der 3. Psalm

Meine Seele danckt dem Herrn
Unter reiner Christen Kern/
Wo die Frommen sich berathen/
Groß sind unsers Gottes Thaten/
Wer sie recht erwegen kan
Findet eitel Lust daran.

Was er ordnet/ was er thut/
Das ist löblich/ das ist gutt/
Herrlich und von grosser Stärcke
Sind des Allerhöchsten Wercke/
Sein Recht und Gerechtigkeit
Bleiben über alle Zeit.

Er/ der Herr/ voll Gnad und Treu/
Des Erbarmen immer neu/
Hat uns/ seiner zu gedencken/
Manche Wohlthat wollen schencken/
Auch ein Denck-Mahl noch zu lezt
Seiner Wunder ausgesezt.

Ewig hält er seinen Bund/
Speist der Frommen Geist und Mund/
Giebt dem Volck/ das ihn will ehren/
Sein gewaltig Thun zu hören/
Schleust der fremden Heyden Hauß
Nicht von seiner Erbschafft aus.

Recht und Warheit übet Gott/
Drauff sich gründet sein Gebot/
Treu und redlich soll mans treiben/
Darum muß es ewig bleiben/
Wenn sich Erd und Himmel regt
Steht sein Wort gantz unbewegt.

Er erlöset seine Schaar/
Sein Versprechen bleibet wahr/
Ewig blüh der Frommen Saamen/
Hehr und herrlich ist sein Nahmen/
Billich wird sein Preiß erhöht
Weiter als die Sonne geht.

Furcht des Herren kan allein
Rechter Weißheit Anfang seyn.
Gott gehorchen/ Gott recht kennen
Muß man wahre Klugheit nennen/
Wer diß lernt mit allem Fleiß/
Dessen Lob kein Ende weiß.

Hans Aßmann Freiherr von Abschatz

Der dir um diese Zeit das Heyl vom Himmel bracht/
Der weyh und kläre dir die finstre Todes-Nacht!

Hans Aßmann Freiherr von Abschatz

Du stille Grufft/ in harten Felß gehauen/
Man wolte dir den Felß des Heyls vertrauen/
Gleichwie ihn nicht mag halten deine Klufft/
So öffnet er auch künfftig unsre Grufft.

Hans Aßmann Freiherr von Abschatz

Es höre der Herr dein Klagen in Noth/
Es schütze dich Jacobs gewaltiger Gott/
Er sende dir Hülffe vom heiligen Thron
Und Labsal und Stärcke vom Berge Zion.
Er dencke genädig an dein Geschrey/
Dein Opffer der Lippen ihm angenehm sey.
Er gebe dir/ was dein Hertze begehrt/
Und mache dein Christliches Wünschen gewehrt/
Damit du nach selig vollendeter Zeit
Ihn lobest und rühmest in Ewigkeit.

Aus dem 20. Psalm

Dank' Gott, daß dir es nicht vergönnt
Zukünftiges vorauszusehen;
Uns klugen Menschenkindern könnt'
Nichts Schlimmeres als das geschehen!
Denn was für uns an Schmerz und Leid
In ihrem Schoße birgt die Zeit,
Es würd' uns stets vor Augen stehen,
Verbittern uns jedwede Freud', –
Und friedlos und in Traurigkeit,
So würden wir durchs Leben gehen.

Johann Meyer

Wie mancher schloß die Augen zu,
Der noch viel jünger war als du!
Wann klopft der Tod an deine Tür? –
So lange du am Leben bist,
Betracht' als eine Gnadenfrist
Jedwede Stunde,
Und danke deinem Gott dafür
Aus Herzensgrunde!

Johann Meyer

Wie es kommt, ist's nimmer schlecht,
Und wer's schickt, den preise!
Heilig ist Gott und gerecht,
Gütig und allweise!

Unser Leben ist kurz, – und bald liegst du verklärt, –
Und hoch über dir schwebt eine Wage, –
Auf der einen Schale was Gott dir beschert,
Auf der andern das Werk deiner Tage.

Johann Meyer

Gott ist Liebe. –
O tröstlich Wort!
Wenn nichts verbliebe,
Eins dauert fort:
Es bleibt die Liebe! –
Denn würd' auch sie vergeh'n
Wie könnte Gott besteh'n?

Johann Meyer

Einmal muss sich alles legen,
Diese Hoffnung bleibe dein!
Wandelst du auf Dornenwegen,
Auch der Schmerz ist Gottessegen,
Und es kommt nach Sturm und Regen
Wieder gold'ner Sonnenschein.

Johann Meyer

Durch Gottvertrau'n und mut'ge Tat
Ward manch ein Leid beschworen;
Wer sich nicht selbst verloren hat,
Der ist noch nicht verloren.

Johann Meyer

Du seufzest, und die Träne rinnt, –
O, wollest nicht so düster schauen!
Zwei Freunde gibt's, wer die gewinnt,
Kann fest auf ihre Hülfe bauen,
Und stärk're gibt es keine;
Mut heißt der eine,
Der and're: Gottvertrauen.

Johann Meyer

Das Glück ist Glas, –
Tu' deine Pflicht,
So heut' wie morgen,
Und laß für das,
Was sonst gebricht,
Den lieben Gott im Himmel sorgen.

Johann Meyer

Die Augen offen,
Das Herze rein,
Auf Gott dein Hoffen
Und mutig in die Welt hinein!

Johann Meyer

Das tröste dich, wenn Schlimmes kommt:
Wir wissen nicht, wozu es frommt;
Laß nur die Zeit darüber geh'n,
Fast immer wird's nachher gescheh'n,
Daß wir drin Gottes Fügung seh'n.

Johann Meyer

Warum klagen
Und gar verzagen?
Tu' du das Deine,
Gott tut das Seine.

Johann Meyer

Hab' Gott vor Augen
Und Gott im Herzen;
So wirst du taugen
In Freud' und Schmerzen.

Johann Meyer

Es ist bestimmt in Gottes Rat,
Daß man vom Liebsten, was man hat,
Muß scheiden.

Johann Meyer

Die Guten halten es mit Gott,
Die Bösen halten's mit dem Teufel, –
Du, halt' dich fern von jedem Spott',
So oft dich übermannt der Zweifel.

Ob ein Gericht, ob kein Gericht,
Ob ew'ger Tod, ob Auferstehen:
Tu' du, was dein Gewissen spricht,
Und laß die Welt in Trümmer gehen.

Johann Meyer

Der bittre Kelch

Herr, Herr! laß ab! Nimm fort von meinem Munde
Den vollen Kelch, ich kann ihn doch nicht leeren.
Das Bittre steigt wie Gift von seinem Grunde,
Dem Schauder, der mich packt, kann ich nicht wehren.

Da sprach er, wie zu einem kranken Kinde,
Und Gottheit überleuchtete sein Wesen:
„Beug dich zurück und trinke fein geschwinde,
Was ich dir gebe, trinkst du zum Genesen!“

Gustav Schüler

Je dunkler ich, je heller strömt aus mir
Dein Sonnentum, der du die Himmel schufst.
Je weiter ab, je näher bin ich dir,
So nahe, daß du mich bei Namen rufst.

Noch hör‘ ichs nicht, mir liegt die Welt im Ohr,
Ihr Tosen schlingt die Himmelsworte ein.
Ich finde dich erst, wenn ich mich verlor,
Du alles, wenn ich nichts mehr werde sein!

Gustav Schüler

Abendgebet

Wolltest meine Seele stillen,
König, der in Sonnen geht.
Wolltest meine Sehnsucht füllen
Die am Wege weinend steht.

Wolltest all die irren, kranken
Wünsche von der Seele tun.
All die flehenden Gedanken
Laß wie müde Kindlein ruhn.

Wolltest mir im Traume sagen,
Daß du der Gerechte bist.
Daß der Zweifel wühlend Fragen
Morgen Triumphieren ist.

Wolltest löschen all mein Grämen,
All die Angst, die mich umspinnt.
Wolltest wieder zu dir nehmen,
Vater, ein verlorenes Kind.

Gustav Schüler

Aus der Tiefe schreie ich, Herr, mein Gott,
Weil ich vor mir keinen Weg mehr sehe,
Weil ich in des Lebens Traum und Spott
Wie in nebelüberschwelten Mooren stehe.

Wohin soll ich? Jeder Schritt ist Trug,
Jeder führt mich irr‘ im engen Ringe –
Herr, mein Gott, schau her, - es sei genug,
Daß ich dir mein Herz in Stücken bringe.

Daß du mein verzweifelnd Suchen stillst,
Tilg den Nebel, zeig mir sichere Wege,
Führe mich, o Herr, wohin du willst,
Daß ich mich in deine Hände lege!

Gustav Schüler

Ihr Herren und Frauen auf hohlem Thron,
nicht ihr seid die Nächsten zum Gottessohn.
Vergeßt nicht, wer euch zuerst gebracht
die Kunde vom Wunder der Osternacht.
Gehabt euch bescheiden mit eurem Bann
und schlagt es in Kirchen und Herzen an:
die Erste, die den Erstandenen sah,
war Maria von Magdala.

Manfred Kyber

Alle sind deine Brüder und Schwestern,
mit dir in die Kette der Dinge gereiht.
Erst wenn das letzte Geschöpf befreit ist,
bist du, Befreier, selber befreit.

Über allem, was atmet, halte schirmend,
Geweihter des Grales, deinen Schild.
In allem, was atmet, bist du und dein Leben
und Gottes Ebenbild.

Manfred Kyber

Um mit reichen Händen zu geben, mußt du mit leeren Händen stehn.
Von den Bäumen, die du gepflanzt hast, wirst du niemals die Früchte sehn.

Wandern wirst du, ein ewiger Wandrer, nach einem fernen Sternenbild.
Suchen wirst du in ewiger Sehnsucht, einer Sehnsucht, die nie gestillt.

Stehen wirst du auf einsamer Höhe, wie Moses auf einsamer Höhe stand.
Wer sich zum Führer der Menschheit opfert, schaut nur ferne sein heiliges Land.

Manfred Kyber

Wer mit den Augen der Andacht geschaut,
wie die Seele der Erde Kristalle baut,
wer die Flamme im keimenden Kern gesehn,
im Leben den Tod, Geburt im Vergehn –
wer in Menschen und Tieren den Bruder fand
und im Bruder den Bruder und Gott erkannt,
der feiert am Tische des Heiligen Gral
mit dem Heiland der Liebe das Abendmahl -
er sucht und findet, wie Gott es verhieß,
den Weg ins verlorene Paradies.

Manfred Kyber

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